Politik

So kassieren Bayerns Landtagsabgeordnete mehr Geld

Berlin verzichtet, Bayern kassiert mehr: Warum die Diäten trotz Sparzwang steigen – und warum die Kritik wächst.

05.06.2026, 15:04 Uhr

Mehr Geld für Bayerns Landtagsabgeordnete ab Juli

Die 203 Abgeordneten des bayerischen Landtags bekommen zum 1. Juli mehr Geld. Die monatlichen Diäten steigen um 4,1 Prozent auf 10.595,07 Euro. Das ist ein Plus von gut 400 Euro. Auch die Kostenpauschale, die unter anderem Ausgaben für Büros oder einen zweiten Wohnsitz in München abdecken soll, wird angehoben. Grundlage ist ein gesetzlich festgelegter Automatismus, der seit rund 30 Jahren gilt. Trotzdem gibt es daran aktuell deutliche Kritik.

Wie hoch sind Diäten und Pauschale?

Derzeit liegt die monatliche Entschädigung der Abgeordneten bei 10.177,78 Euro, wie aus Angaben des Landtags hervorgeht. Hinzu kommt eine Kostenpauschale von 4.332,70 Euro. Sie soll beruflich bedingte Ausgaben wie Wahlkreisbüros oder einen zusätzlichen Wohnsitz in der Landeshauptstadt ausgleichen.

Ab Juli steigt die Pauschale um 1,9 Prozent auf 4.415,02 Euro. Zusammen kommen die Parlamentarier damit künftig auf 15.010,09 Euro pro Monat.

Wer legt die Erhöhung fest?

Über die Anpassung wird nicht jedes Jahr neu politisch entschieden. Stattdessen gilt seit rund drei Jahrzehnten ein festes gesetzliches Verfahren. Die Diäten orientieren sich an der Entwicklung der durchschnittlichen Einkommen, die Kostenpauschale an der Preisentwicklung.

Deshalb fällt die Erhöhung in diesem Jahr bei den Diäten mit 4,1 Prozent höher aus, während die Pauschale um 1,9 Prozent steigt.

Wie steht Bayern im Ländervergleich da?

Im Vergleich der Landesparlamente gehörte Bayern nach Angaben des Landtags mit Stand Januar 2026 bei der Bezahlung weiter zur Spitzengruppe und lag auf Platz drei. Mehr bekamen demnach nur Abgeordnete in Nordrhein-Westfalen mit 11.464 Euro und in Schleswig-Holstein mit 10.625 Euro. Am unteren Ende der Skala steht die Hamburger Bürgerschaft mit 4.807 Euro.

Abgeordnete des Bundestags erhalten mit 11.833 Euro monatlich weiterhin mehr als die Mitglieder aller Landtage.

Warum gibt es Kritik?

Die Staatsregierung verweist seit längerem auf einen angespannten Haushalt und eine schwierige Wirtschaftslage. Gleichzeitig wurden Leistungen für Bürger an anderer Stelle gestrichen, darunter das geplante Familien- beziehungsweise Kinderstartgeld. Vor diesem Hintergrund lehnten Grüne und AfD im Landtag eine Erhöhung der Diäten ab.

CSU, Freie Wähler und SPD sprachen sich dagegen dafür aus, am automatischen Anpassungsmechanismus festzuhalten. Aus ihrer Sicht verhindert die feste Regel eine Debatte, die wie politische Selbstbedienung wirken könnte.

Besonders scharf fällt die Kritik aus dem Kreis der Beamten aus. Deren vorgesehene Tariferhöhung war unter Verweis auf Sparzwänge um ein halbes Jahr verschoben worden. Der bayerische GdP-Landesvorsitzende Florian Leitner sprach deshalb von „völligem Unverständnis“. Es entstehe der Eindruck, dass die Politik mit zweierlei Maß messe.

Debatte auch im Bundestag

Nicht nur in Bayern wird über Abgeordnetenbezüge diskutiert. Im Bundestag gibt es Überlegungen, die geplante Erhöhung in diesem Jahr auszusetzen. Damit soll signalisiert werden, dass auch Parlamentarier zu Verzicht bereit sind, wenn sie Reformen und Einschnitte von anderen verlangen. Inzwischen sprechen sich dort alle Fraktionen für eine Nullrunde aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen