Politik

Italiens neue Rechte: Demo für «Remigration»

Vannacci attackiert Meloni als zu lasch – und ruft in Rom „Italien den Italienern“, während Tausende für Remigration marschieren.

14.06.2026, 11:02 Uhr

Tausende bei rechter Demonstration und Parteigründung in Rom

Am Wochenende sind in Rom Tausende Menschen zu zwei Veranstaltungen aus dem rechten Spektrum zusammengekommen: einer Demonstration unter dem Motto „Remigration und Rückeroberung“ sowie dem Gründungsparteitag der neuen Partei Futuro Nazionale des früheren Generals und Politikers Roberto Vannacci.

Aufmarsch durch die Innenstadt

Nach Behördenangaben beteiligten sich am Samstag rund 4.000 Menschen an dem Demonstrationszug durch das Zentrum der italienischen Hauptstadt. Angeführt wurde der Marsch von einem Banner mit der Aufschrift „Remigration und Rückeroberung“. Mehrere Teilnehmer zeigten den faschistischen Gruß und riefen „Duce! Duce!“, womit sie auf Benito Mussolini Bezug nahmen. Zu den Unterstützern des Aufmarschs zählten auch rechtsextreme Gruppen.

Der Begriff Remigration wird im rechtsextremen Milieu meist für die Forderung verwendet, viele Menschen mit ausländischen Wurzeln zur Ausreise zu bewegen oder sie dazu zu zwingen. Auch Vertreter der neofaschistischen Bewegung CasaPound nahmen teil. Deren Sprecher Luca Marsella erklärte laut italienischen Medien, man wolle sowohl irreguläre als auch reguläre Migranten loswerden.

Die Demonstration zog langsam und unter massiver Polizeisicherung durch das Viertel Prati. Seitenstraßen wurden abgesperrt, über dem Gebiet kreisten Hubschrauber und Drohnen. Gleichzeitig formierte sich Gegenprotest: In der Nähe des Kolosseums versammelten sich Gegendemonstranten mit einem Banner, auf dem „Fuck remigration“ stand.

Demonstration «Remigration und Rückeroberung» in Rom
Der Protest steht dem Motto «Remigration und Rückeroberung». Quelle: Marco Iacobucci/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Kritik aus der Opposition

Aus dem linken Oppositionslager kam scharfe Kritik an der Kundgebung und den dort skandierten Parolen. Der Abgeordnete Angelo Bonelli sprach von „abscheulichen Parolen“ und warf Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vor, dazu zu schweigen. Meloni regiert seit mehr als dreieinhalb Jahren mit einem rechten Bündnis.

Vannacci gründet neue Partei

Parallel dazu hielt Futuro Nazionale in Rom ihren ersten Parteitag ab. Parteigründer Roberto Vannacci erklärte dort, früher habe man das Wort Remigration nicht einmal aussprechen dürfen, heute werde behauptet, sie lasse sich nicht umsetzen, weil man niemandem die Staatsbürgerschaft entziehen könne. An dem Treffen nahmen nach seinen Angaben etwa 1.500 Delegierte teil. Der Parteitag sollte am Sonntag mit einer Rede Vannaccis fortgesetzt werden.

In Umfragen kommt die Bewegung derzeit auf rund vier Prozent. Vannacci betonte, weder er noch seine Partei wollten ihre Positionen abschwächen. Gerade mit diesen Ansichten gewinne man Zustimmung. Wörtlich rief er: „Italien den Italienern!“

Bruch mit der Lega

Zu Jahresbeginn hatte Vannacci die rechtsgerichtete Lega von Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini nach internen Auseinandersetzungen verlassen. Seitdem habe seine neue Partei nahezu 100.000 zahlende Mitglieder gewonnen, sagte er.

Bekannt durch umstrittene Äußerungen

Zuletzt positionierte sich Vannacci zunehmend gegen die Regierung Meloni. Er bezeichnete seine Bewegung als die „wahre Rechte“ und warf der Ministerpräsidentin einen zu milden Kurs vor. Meloni wies diese Vorwürfe entschieden zurück.

Vannacci war im rechten Lager vor allem durch Aussagen gegen Migranten und Homosexuelle bekannt geworden. Aufmerksamkeit erhielt auch sein Buch „Il mondo al contrario“ („Verkehrte Welt“), in dem er unter anderem behauptet, Minderheiten hätten eine Art Diktatur errichtet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen