Iran

Trump kündigt Iran-Deal an – Teheran kontert sofort

Erst droht Trump dem Iran, dann plötzlich die Wende: Steht der Deal wirklich kurz bevor – oder platzt alles erneut?

12.06.2026, 05:11 Uhr

Pakistan zufolge haben sich die USA und der Iran auf einen Friedenstext verständigt. Ministerpräsident Shehbaz Sharif schrieb auf X, ein endgültiger und von allen Seiten abgestimmter Text des Friedensabkommens sei erreicht worden. Pakistan arbeite nun eng mit beiden Seiten zusammen, um die nächsten Schritte zu finalisieren. Ein Frieden sei noch nie so greifbar gewesen wie jetzt.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erneut ein baldiges Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges in Aussicht gestellt. Im Weißen Haus sagte er, es gebe eine „großartige Einigung“ im Konflikt mit Teheran. Die Dokumente würden in Kürze fertiggestellt und könnten womöglich schon an diesem Wochenende in Europa unterzeichnet werden.

Anders als noch zuvor kam aus Teheran diesmal nicht nur Widerspruch. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna im Fernsehen, ein entsprechender Text sei überwiegend finalisiert. Zugleich machte er aber erneut deutlich, dass Teheran Washington nicht vertraue. Problematisch sei aus iranischer Sicht, dass die US-Seite ihre Positionen immer wieder ändere.

Trump hatte bereits mehrfach erklärt, eine Vereinbarung mit dem Iran sei in greifbarer Nähe. Auf Nachfrage sagte er nun, nach seinem Verständnis habe Irans Staatsoberhaupt Modschtaba Chamenei einem Rahmenabkommen bereits zugestimmt. Dieses solle unter anderem die sofortige Öffnung der Straße von Hormus sowie ein Ende der US-Seeblockade iranischer Häfen vorsehen.

Gleichzeitig stellte Trump auf seiner Plattform Truth Social klar, dass die amerikanische Seeblockade gegen iranische Schiffe und Häfen bis zu einer endgültigen Vereinbarung vollständig bestehen bleibe. Die USA hatten damit nach eigener Darstellung auf die faktische Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran reagiert.

Trump sagt neue Angriffe ab

Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump geplante neue Angriffe auf den Iran, die für Donnerstagabend angekündigt waren, wieder abgesagt. Zuvor hatte er auf Truth Social damit gedroht, das US-Militär werde den Iran „sehr hart“ treffen und in absehbarer Zeit die für die iranische Ölindustrie bedeutende Insel Charg einnehmen. Zudem kündigte er an, die USA würden die „vollständige Kontrolle“ über Irans Öl- und Gasmärkte erlangen.

Charg im Persischen Golf ist von großer strategischer Bedeutung. Dort liegt Irans wichtigster Ölhafen, über den fast der gesamte Ölexport des Landes abgewickelt wird.

Die Kehrtwende begründete Trump mit Gesprächen, die bis in die höchste Führungsebene des Iran gereicht hätten. Die Einzelheiten seien von allen beteiligten Seiten gebilligt worden, darunter die USA, Israel, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, die Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Ägypten. Konkrete Details nannte er jedoch nicht.

Israel sieht eigene Sicherheitsinteressen zugesichert

Nach Angaben der israelischen Regierung hat Washington zugesagt, die Sicherheitsinteressen Israels in einem möglichen späteren Endabkommen mit dem Iran zu berücksichtigen. Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte mit, Trump habe versprochen, dass ein Deal auch die Entfernung von angereichertem Uran sowie den Rückbau iranischer Anlagen zur Urananreicherung umfassen werde.

Außerdem habe Trump Netanjahu zugesichert, dass eine endgültige Einigung die iranische Raketenproduktion einschränken und die Unterstützung Teherans für verbündete Gruppen in der Region beenden solle. Gemeint seien unter anderem die Hamas und die libanesische Hisbollah. Den israelischen Angaben zufolge sprachen Trump und Netanjahu am Abend über eine sich abzeichnende Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran zur Aufnahme von Verhandlungen. Israel sei daran nicht beteiligt.

Zähes Ringen um zentrale Konflikte

Seit Wochen verhandeln Vertreter der USA und des Iran über ein dauerhaftes Ende des Krieges, den Washington und Israel Ende Februar mit Angriffen auf den Iran begonnen hatten. Zwar gilt seit gut zwei Monaten offiziell eine Waffenruhe, doch kam es seither mehrfach zu gegenseitigem Beschuss, zuletzt in der Nacht zum Donnerstag. Vor einem möglichen Rahmenabkommen lagen beide Seiten zuletzt noch deutlich auseinander.

Allgemein wird erwartet, dass ein solches Abkommen vor allem die Grundlage für weiterführende Gespräche über die wichtigsten Streitfragen schaffen würde. Im Mittelpunkt steht dabei das iranische Atomprogramm und der Umgang mit dem hochangereicherten Uran des Landes, das aus Sicht Israels für den Bau einer Atombombe genutzt werden könnte. Medienberichten zufolge könnte darüber innerhalb eines Zeitraums von 60 Tagen intensiver verhandelt werden.

Weitere Streitpunkte sind die für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Straße von Hormus sowie der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Darüber hinaus fordert der Iran die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen und die Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen.

Reist Vance für eine Unterzeichnung nach Europa?

Nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Fars war ein Rahmenabkommen bereits vor rund zwei Wochen weitgehend ausgearbeitet. Neue militärische Spannungen, darunter israelische Angriffe auf Beirut, hätten die Gespräche jedoch zunächst gestoppt. Erst nach einer erfolgreichen Vermittlung durch Katar habe es am Mittwoch wieder Fortschritte gegeben.

Trump erklärte im Weißen Haus zudem, Vizepräsident JD Vance könnte für eine mögliche Unterzeichnung am Wochenende nach Europa reisen. Einen genauen Ort nannte er nicht. Er selbst werde nicht teilnehmen, sagte Trump. Am Sonntag feiert er in Washington seinen 80. Geburtstag und will anschließend zum G7-Gipfel nach Frankreich reisen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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