Iran

Trump greift im Libanon ein – Iran droht

Iran droht mit Verhandlungsabbruch, Trump bremst – und soll hinter den Kulissen heftig mit Netanjahu abrechnen.

02.06.2026, 05:33 Uhr

Nach dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Stopp der gegenseitigen Angriffe zwischen Israel und der Hisbollah ist die Lage im Libanon weiter von Ungewissheit und Skepsis geprägt. Während in Beirut und den südlichen Vororten kurzzeitig Erleichterung zu spüren war, meldeten libanesische Stellen aus dem Süden des Landes erneut israelische Angriffe.

Gleichzeitig werden die Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Vertretern in Washington fortgesetzt. Die neue Verhandlungsrunde gilt als möglicher Schritt hin zu einer Beruhigung des Konflikts.

Trump spricht von Angriffsstopp

Trump hatte am Montagabend nach Tagen der Eskalation erklärt, Israel und die Hisbollah würden ihre wechselseitigen Angriffe zunächst einstellen. Zudem werde Israel keine Truppen nach Beirut schicken.

Libanons Präsident Joseph Aoun sagte kurz darauf, der angekündigte Stopp israelischer Angriffe beziehe sich zunächst auf die südlichen Vororte Beiruts, die als Hochburg der Hisbollah gelten. Dort hatte Israel seine Angriffe seit Inkrafttreten der offiziellen Waffenruhe Mitte April bereits deutlich eingeschränkt. Zuvor hatte das israelische Militär allerdings erneut mit Angriffen auf die als Dahija bekannte Gegend gedroht und Bewohner zur Flucht aufgefordert.

Öffentlich bekannte Pläne für einen Einsatz israelischer Bodentruppen in Beirut gab es bis zu Trumps Aussagen nicht. Israels Armee war in den vergangenen Wochen zwar so tief in den Libanon vorgedrungen wie seit mehr als 25 Jahren nicht mehr, befindet sich aber weiterhin weit von der Hauptstadt entfernt.

Der Nahost-Experte Daniel Gerlach sagte in den ARD-"Tagesthemen", die Regierung Netanjahu wolle womöglich eine dauerhafte Besatzungszone im Südlibanon schaffen. Von Truppen in Beirut sei bislang jedoch keine Rede gewesen. Diskutiert worden seien vielmehr Luftangriffe auf Dahija.

Netanjahu hält sich neue Angriffe offen

Ungeachtet von Trumps Ankündigung stellte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu klar, dass der Einsatz der israelischen Armee im Südlibanon fortgesetzt werde. Sollte die Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Städte nicht einstellen, werde Israel auch wieder Ziele in Beirut angreifen, schrieb Netanjahu auf X.

Damit bleibt offen, ob aus dem von Trump angekündigten Angriffsstopp tatsächlich eine stabile Feuerpause werden kann.

Libanon meldet weitere Angriffe – Israel fängt Geschosse ab

Bereits am Morgen nach Trumps Erklärung wurden aus beiden Ländern erneut militärische Vorfälle gemeldet. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von mehreren israelischen Angriffen im Südlibanon, bei denen mindestens ein Mensch getötet worden sei. Die libanesische Armee, die nicht direkt an dem Konflikt beteiligt ist, meldete zudem zwei verletzte Soldaten nach einem israelischen Drohnenangriff.

Nach Beobachtungen vor Ort waren über weiten Teilen Beiruts erneut Drohnen zu hören.

In Israel wurde in der Nacht in mehreren Gebieten Luftalarm ausgelöst. Nach Militärangaben fing die Armee zwei aus dem Libanon abgefeuerte Geschosse ab. Ein weiteres als feindlich eingestuftes Flugobjekt sei auf israelischem Gebiet abgestürzt.

Gespräche in Washington gehen in vierte Runde

In Washington kommen israelische und libanesische Regierungsvertreter an diesem Dienstag zur vierten Runde direkter Gespräche zusammen. In früheren Runden war jeweils eine Waffenruhe erklärt oder verlängert worden. Die Hisbollah selbst nimmt an diesen Gesprächen nicht teil. Die Miliz lehnt Verhandlungen mit Israel ab und betrachtet Forderungen nach einer Entwaffnung als inakzeptabel.

Die Gespräche sind politisch bedeutsam: Israel und der Libanon unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Die seit April laufenden Treffen in Washington sind die ersten direkten politischen Gespräche seit Jahrzehnten.

Die libanesische Regierung, die nicht selbst Kriegspartei ist, dringt vor allem auf eine dauerhafte Waffenruhe. Israel fordert eine Entwaffnung der Hisbollah und strebt nach eigenen Angaben einen längerfristigen Friedensprozess an. Präsident Aoun betonte zuletzt, Verhandlungen seien sicherer als Krieg, dämpfte aber zugleich Erwartungen an eine schnelle Lösung.

Krieg trotz offizieller Waffenruhe nicht beendet

Trotz der seit Mitte April geltenden Waffenruhe ist der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nicht zum Stillstand gekommen. Vor allem im Libanon gibt es weiterhin regelmäßig Tote. Zugleich werden auch israelische Soldaten immer wieder durch mit Sprengstoff beladene Hisbollah-Drohnen getötet, was den innenpolitischen Druck auf Netanjahu erhöht.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Beirut wurden seit Beginn der aktuellen Eskalation Anfang März im Libanon mehr als 3.400 Menschen getötet.

Viele Bewohner kehren zurück – Skepsis bleibt groß

In der libanesischen Bevölkerung ist das Misstrauen gegenüber einer neuen Feuerpause groß. Nachdem Netanjahu am Montag erneut Angriffe auf die südlichen Vororte Beiruts in Aussicht gestellt hatte, waren Tausende Menschen aus dem Gebiet geflohen. Am Dienstagmorgen kehrten viele von ihnen zurück.

Auf den Straßen Richtung Dahija bildeten sich lange Staus mit voll beladenen Autos. Eine Rückkehrerin sagte, die ständige Unsicherheit sei zermürbend. Ein anderer Bewohner äußerte Zweifel daran, dass Israel sich an irgendeine Vereinbarung halten werde – dennoch wolle man in die eigenen Häuser zurückkehren.

Ob die Gespräche in Washington ausreichen, die Lage nachhaltig zu entschärfen, ist damit weiter offen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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