Der Iran hat angesichts neuer US-Überlegungen für mögliche Militärschläge erneut mit Gegenmaßnahmen gedroht. In einer seiner seltenen Äußerungen ließ Irans oberster Führer Modschtaba Chamenei erklären, das Land werde seine atomaren und raketentechnischen Fähigkeiten entschlossen schützen.
In einer im Staatsfernsehen verlesenen Ansprache hieß es, die rund 90 Millionen Iraner im In- und Ausland betrachteten diese Fähigkeiten als nationales Eigentum und würden sie ebenso verteidigen wie die Grenzen zu Land, zu Wasser und in der Luft.
Zugleich richtete Teheran erneut scharfe Warnungen an die US-Streitkräfte im Persischen Golf. Ausländische Mächte, die aus großer Entfernung kämen und Unruhe in die Region trügen, hätten dort keinen Platz – „außer auf dem Grund seiner Gewässer“, erklärte die Führung.
Seit seiner Ernennung zum obersten Führer ist Chamenei nicht öffentlich aufgetreten. Nach Angaben der US-Regierung soll er verletzt sein. Weitere Details wurden bislang nicht bekannt.
Iranische Marine droht wegen US-Seeblockade
Auch die iranische Marine verschärfte ihren Ton. Laut dem Staatssender Press TV erklärte Marinechef Scharam Irani, der Iran habe die Straße von Hormus geschlossen. Sollten sich US-Einheiten weiter nähern, werde man unverzüglich operative Maßnahmen ergreifen, sagte er mit Blick auf die amerikanische Marine.
Nach iranischer Darstellung hindern die USA derzeit Schiffe daran, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen. Irani kündigte zudem an, das Militär werde den Gegner bald mit einer Waffe angreifen, „vor der er große Angst hat“. Nähere Angaben machte er nicht.
Nach US-Angaben wurden im Zuge der Blockade bislang 42 Schiffe gestoppt. Washington beziffert die Ausfälle für den Iran durch entgangene Ölexporteinnahmen auf rund sechs Milliarden Dollar.
US-Regierung erwägt neuen Ansatz an der Straße von Hormus
Unterdessen verfolgt die US-Regierung von Präsident Donald Trump Kreisen zufolge einen neuen Ansatz für die Lage an der Straße von Hormus. Ein neues Koordinierungsgremium mit dem Namen „Maritime Freedom Construct“ soll nach Angaben eines hochrangigen Regierungsbeamten die Zusammenarbeit zwischen den USA und ihren Verbündeten in der Meerenge erleichtern.
Geplant ist demnach ein Mechanismus für den Informationsaustausch mit bislang nicht benannten Partnerstaaten sowie zur Abstimmung diplomatischer und wirtschaftlicher Maßnahmen gegen den Iran, falls es zu einer weiteren Blockade der strategisch wichtigen Wasserstraße kommt. Welche Länder beteiligt sein sollen, blieb zunächst offen. Unklar war zunächst auch, ob Deutschland angefragt wurde.
Das US-Militär soll die Seeblockade gegen Schiffe, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen, unterdessen aufrechterhalten.
Medien: Trump lässt sich über mögliche Militärschläge informieren
Zwischen den USA und dem Iran gilt derzeit zwar eine Waffenruhe, doch die Gespräche über eine politische Lösung kommen nur schleppend voran. US-Präsident Donald Trump sagte am Mittwoch, es habe gewisse Fortschritte gegeben, von einem Durchbruch könne aber noch keine Rede sein. Eine Vereinbarung werde nur möglich sein, wenn Teheran vollständig auf Atomwaffen verzichte.
Das US-Portal Axios berichtete, Trump solle am Donnerstag vom Militär über neue Optionen für mögliche Angriffe auf den Iran unterrichtet werden. Das Briefing gilt dem Bericht zufolge als Hinweis darauf, dass der Präsident erwägt, wieder größere Kampfeinsätze aufzunehmen – entweder um Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zu bringen oder um der Islamischen Republik vor einem möglichen Kriegsende noch einen letzten schweren Schlag zu versetzen.
Dabei könnten laut dem Bericht auch Ziele der zivilen Infrastruktur ins Visier geraten.
Experte warnt vor neuen US-Angriffen
Der Iran-Experte Danny Citrinowicz warnte angesichts des Berichts vor falschen Erwartungen und weiterer Destabilisierung. Auf der Plattform X schrieb er, es gebe keine schnelle militärische Lösung für den Konflikt mit dem Iran.
Washington hoffe womöglich auf einen entscheidenden Schlag, der Teheran zur Kapitulation zwinge – das werde jedoch nicht gelingen. Was 40 Tage andauernde Angriffe nicht erreicht hätten, lasse sich auch nicht plötzlich durch Attacken in der Straße von Hormus, gezielte Tötungen hochrangiger Personen oder sogar Schläge gegen zivile Infrastruktur erreichen.
Rohölpreis auf höchstem Stand seit Anfang 2022
Die Spannungen wirkten sich auch deutlich auf den Energiemarkt aus. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent kletterte am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Anfang 2022. Ein Barrel zur Lieferung im Juni kostete zeitweise 126,41 Dollar und damit rund sieben Prozent mehr als am Vortag. Später gab der Preis wieder etwas nach.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat sich Brent um etwas mehr als 70 Prozent verteuert. Auch andere wichtige Rohölsorten, darunter die US-Referenzsorte WTI, legten ähnlich stark zu.
US-Flugzeugträger soll Nahen Osten verlassen
Unterdessen soll der größte Flugzeugträger der US-Marine, die USS Gerald R. Ford, Berichten zufolge in Kürze den Nahen Osten verlassen. Mehrere US-Beamte sagten der Washington Post, das Schiff werde in den kommenden Tagen Kurs auf die Vereinigten Staaten nehmen. Nach dem monatelangen Einsatz auf See dürften im Heimathafen umfangreiche Reparaturen und Wartungsarbeiten anstehen.
Erst vor Kurzem hatten die USA ihre Präsenz in der Region mit dem Flugzeugträger USS George H.W. Bush verstärkt. Nach Angaben des zuständigen Regionalkommandos Centcom waren damit erstmals seit 2003 wieder drei US-Flugzeugträger gleichzeitig im Nahen Osten im Einsatz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion