US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzler Friedrich Merz nach dessen Kritik am amerikanischen Vorgehen gegen den Iran scharf angegriffen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump über den CDU-Politiker, dieser habe „keine Ahnung, wovon er spricht“. Zugleich verband er die Attacke mit einer Spitze gegen Deutschland und erklärte, es sei kein Wunder, dass es dem Land wirtschaftlich und auch in anderer Hinsicht schlecht gehe. Außerdem unterstellte er Merz, hinzunehmen, dass der Iran über Atomwaffen verfüge, während er sein eigenes Vorgehen ausdrücklich lobte.
Grundsätzlich galt das Verhältnis zwischen Merz und Trump bislang als vergleichsweise gut. Der Kanzler hatte mehrfach betont, einen guten Zugang zum US-Präsidenten zu haben. Auch mehrere Besuche im Weißen Haus verliefen ohne offene Auseinandersetzungen.
Merz kritisiert fehlende US-Exit-Strategie
Zuletzt schlug Merz jedoch einen deutlich kritischeren Ton gegenüber Washington an. Bei einer Diskussion mit Schülern im sauerländischen Marsberg warf er der US-Regierung vor, für den Krieg gegen den Iran keine Exit-Strategie zu besitzen. Zur Begründung sagte er, die Iraner seien offenbar stärker als gedacht, zudem fehle den Amerikanern auch in den Verhandlungen eine wirklich überzeugende Linie.
Merz betonte, bei solchen Konflikten gehe es nicht nur um den Einstieg, sondern auch um einen geordneten Ausstieg. Als warnende Beispiele nannte er Afghanistan mit seinem 20-jährigen Einsatz sowie den Irak. Nach seiner Einschätzung seien die USA im Fall Iran ganz offensichtlich ohne jede Strategie in den Krieg gegangen. Gerade deshalb sei es nun besonders schwierig, den Konflikt wieder zu beenden. Zugleich beschrieb er die iranische Führung als taktisch geschickt beim Verhandeln – oder beim bewussten Nicht-Verhandeln – und sprach von einer Demütigung der eigenen Bevölkerung.
Trump liegt mit Europäern wegen des Iran-Kriegs im Clinch
Merz ist nicht der erste europäische Spitzenpolitiker, den Trump in diesem Zusammenhang scharf attackiert. Auch der britische Premierminister Keir Starmer geriet bei dem Republikaner in Ungnade. Trump griff ihn wiederholt verbal an, unter anderem wegen aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung im Iran-Krieg. Dass auch aus Deutschland keine Rückendeckung für den Krieg kommt, dürfte Trumps Angriffe auf Merz zusätzlich befeuert haben.
Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen nicht in den Krieg der USA und Israels gegen den Iran hineingezogen werden. Stattdessen stellen sie sich für die Zeit nach dem Krieg eine neutrale Marine-Mission zur Sicherung der derzeit blockierten Straße von Hormus vor. Damit soll der Schiffsverkehr in der Region wieder ermöglicht werden.
Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, vor allem für den Ölhandel. Die Blockade belastet deshalb auch die Weltwirtschaft.
Auch in anderen Streitfragen distanziert sich Merz von Trump
Nicht nur beim Iran, auch in anderen internationalen Konflikten positionierte sich Merz zuletzt anders als Trump. Mit Blick auf Kuba erklärte er, von der Insel gehe trotz ihrer innenpolitischen Probleme unter dem kommunistischen Regime keine erkennbare Gefahr für Drittstaaten außerhalb Kubas aus. Deshalb könne er nicht erkennen, auf welcher Grundlage eine Intervention gerechtfertigt sein sollte. Trump hatte Kuba zuvor offen mit einer „Übernahme“ gedroht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion