Politik

Großrazzia in Spanien: Schlepperring zerschlagen

Schnellboote, Waffen, Gewalt: Diese Schlepperbande verdiente Millionen – jetzt flog sie auf. Doch der nächste Ring wartet schon.

08.08.2026, 11:29 Uhr

Die spanische Polizei hat nach eigenen Angaben ein international vernetztes Schleusernetzwerk zerschlagen, das Migranten aus Nordafrika über das Mittelmeer nach Spanien gebracht haben soll. Die mutmaßlich aus Algerien stammende, streng organisierte Gruppe soll bei mindestens 64 Fahrten mit schnellen Booten mehr als 2.000 Menschen eingeschleust und dabei über 24 Millionen Euro eingenommen haben.

Trotz deutlich rückläufiger Migrationszahlen bleibt die Route nach Spanien aktiv. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichten seit Jahresbeginn mehr als 12.000 Migranten über das Mittelmeer das Land. Zugleich sind in der Region weiterhin zahlreiche Banden in wechselnden Konstellationen im Schleuser- und Drogengeschäft aktiv.

Insgesamt nahm die Polizei 78 Verdächtige fest. Unter ihnen sollen sich vier führende Köpfe des Netzwerks sowie ein sogenannter Hawala-Banker befinden, der informelle bargeldlose Geldtransfers abgewickelt haben soll. Die Ermittlungen liefen seit 2023 und wurden auch von Europol sowie Polizeibehörden aus Polen, Portugal und Frankreich unterstützt. Nach Erkenntnissen der Ermittler unterhielt die von Spanien aus agierende Gruppe zudem Stützpunkte in Frankreich und Italien.

Migranten auf rasanten Überfahrten transportiert

Nach Angaben der Polizei nutzte die Bande Hochgeschwindigkeitsboote mit bis zu vier leistungsstarken Außenbordmotoren. Demnach wurden zunächst Drogen von Spanien nach Algerien gebracht und auf der Rückfahrt Migranten nach Spanien transportiert. Wegen der hohen Geschwindigkeiten und des oft rauen Seegangs seien diese Überfahrten extrem riskant gewesen. Teilweise sollen Menschen an Bord festgebunden worden sein, damit sie nicht ins Wasser stürzten.

Die Behörden beschlagnahmten 18 Boote mit einem geschätzten Gesamtwert von mehr als fünf Millionen Euro. Außerdem wurden Waffen, Drogen und Geräte für verschlüsselte Kommunikation sichergestellt.

Strenge Hierarchie und Gewalt zur Abschreckung

Laut Polizei stand an der Spitze des Netzwerks ein einzelner Anführer, der Planung, Koordination, Überwachung und Finanzierung kontrolliert haben soll. Ihm wird vorgeworfen, erhebliche Geldmittel bereitgestellt, Waffen und Drogen geliefert und auch den Vertrieb von Betäubungsmitteln wie Ecstasy in mehreren nordafrikanischen Ländern gesteuert zu haben.

Die Gruppe soll in drei Ebenen organisiert gewesen sein. Eine Führungsschicht traf demnach strategische Entscheidungen und überwachte die Abläufe. Darunter arbeiteten unter anderem Bootsführer, Fahrer und Verantwortliche für die operative Durchführung. Auf der untersten Ebene seien Helfer, Anwerber, Lieferanten, Wachleute, Logistikkräfte, Finanzverwalter und Strohmänner eingesetzt worden.

Die interne Ordnung sei mit Einschüchterung und massiver Gewalt aufrechterhalten worden. Die Ermittler sprechen von Drohungen, Nötigung, körperlichen Übergriffen sowie Hinweisen auf Entführungen, Vergeltungsaktionen und Morddrohungen, die sich teils auch gegen Migranten gerichtet haben sollen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen