Friedman hält Merz für ungeeignet als Kanzler
Der Publizist Michel Friedman sieht Friedrich Merz nicht als passend für das Amt des Bundeskanzlers. In einem Gespräch mit dem Spiegel sagte der 70-Jährige, Merz erfülle aus seiner Sicht nicht die Anforderungen, die mit dieser Aufgabe verbunden seien. Viele Politikerinnen und Politiker brächten bestimmte Fähigkeiten zunächst nicht mit, so Friedman. Entscheidend sei jedoch, dass man bereit sei, sie zu erlernen.
Als zentrale Voraussetzungen nannte er unter anderem ein Verständnis für die Macht staatlicher Verwaltung. Außerdem brauche es Empathie, um tragfähige Kompromisse schließen zu können – also Lösungen, die ein Miteinander ermöglichten, ohne inhaltlich beliebig zu werden. Friedman, der nach eigenen Angaben 50 Angehörige durch die Nationalsozialisten verloren hat, betonte zudem, ein Kanzler müsse seine Grenzen kennen und lernen, diese Schritt für Schritt zu erweitern. Genau das erkenne er bei Merz nicht.
Zugleich stellte Friedman klar, dass er Merz nicht grundsätzlich Gefühllosigkeit vorwerfe. Allerdings sei der CDU-Politiker für ihn auch kein Beispiel, an dem man sich in Fragen der Empathie orientieren könne. Dass die CDU unter seiner Führung Stimmen einbüße, halte er daher für nachvollziehbar. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, aus Frust eine „rassistische, zerstörerische Partei“ zu wählen.
Auch Kritik an Klingbeil und Bas
Nicht nur die Union bekam von Friedman Kritik ab. Auch mit den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas zeigte er sich unzufrieden. Von beiden höre er kaum noch etwas. Im Vergleich dazu sei er fast noch eher froh, dass der Kanzler zwar oft schroff auftrete und regelmäßig ins Fettnäpfchen trete, aber immerhin mit ihm das Gespräch suche.
Friedman war Anfang 2025 aus der CDU ausgetreten. Hintergrund war, dass ein migrationspolitischer Antrag der Union im Bundestag mithilfe von Stimmen der AfD eine Mehrheit erhielt. Für Friedman ist klar, dass demokratische Parteien keinerlei Nähe zu einer Kraft zeigen dürften, die aus seiner Sicht die Demokratie zerstören wolle.
Der Publizist war 1983 in die CDU eingetreten und gehörte von 1994 bis 1996 dem Bundesvorstand an. Nach dem Spendenskandal der hessischen CDU wechselte er im Jahr 2000 aus Protest in den saarländischen Landesverband.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber