Bayern

Neuer Bischof für Eichstätt: Freiburger Weihbischof

13 Monate Spannung – jetzt ist es offiziell: Der Vatikan hat entschieden. Christian Würtz wird neuer Bischof von Eichstätt.

07.07.2026, 12:16 Uhr

Das Bistum Eichstätt hat einen neuen Oberhirten: Papst Leo XIV. hat den Freiburger Weihbischof Christian Würtz zum Bischof ernannt. Die Entscheidung wurde am Mittag sowohl im Eichstätter Dom als auch zeitgleich im Vatikan bekanntgegeben. Mit der Berufung trifft der Papst zugleich seine erste wichtige Personalentscheidung für Bayern.

Im voll besetzten Dom wurde der 55-Jährige mit Applaus empfangen. Würtz sagte, es brauche Mut, sich auf eine völlig neue Situation einzulassen. Zugleich bat er die Gläubigen um Unterstützung: Sie wüssten, wie Kirche vor Ort gelebt werde. Das erste Jahr solle für ihn ein "Jahr des Auges, ein Jahr des Schauens" sein.

Nach eigenen Worten kam die Berufung überraschend. Als ihn der Nuntius aus Berlin über die Pläne des Papstes informierte, habe er zunächst um Bedenkzeit gebeten und nicht sofort zugesagt. Inzwischen steht fest: Würtz wird Freiburg verlassen und nach Bayern wechseln. Mit dem Amtsantritt wird er aktuell der jüngste Diözesanbischof der katholischen Kirche in Deutschland sein.

Der neue Bischof studierte zuerst Jura

Der gebürtige Karlsruher war seit 2019 Weihbischof in Freiburg. Er hat zwei Doktortitel – einen in Jura und einen in Theologie. Zunächst studierte er Rechtswissenschaften, später erst Theologie. Nach dem Abitur habe ihn die Entscheidung zwischen Richteramt und Priestertum beschäftigt, berichtete Würtz. Jura habe ihm große Freude gemacht, sagte er, und er habe sich gut vorstellen können, als Richter zu arbeiten.

Er schloss das Jurastudium zunächst ab und begann danach mit dem Theologiestudium. Zwischen beiden Fächern sieht er etliche Gemeinsamkeiten – etwa bei der Auslegung von Texten und bei Grundfragen nach der Würde des Menschen. Als Freiburger Weihbischof war er unter anderem für die Priesterausbildung zuständig.

Vorgänger gab sein Amt vor 13 Monaten ab

Bereits im Juni 2025 hatte der langjährige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sein Amt niedergelegt, nachdem der Papst sein Rücktrittsgesuch angenommen hatte. Hanke galt gemeinsam mit den Bischöfen von Passau, Regensburg und Köln als entschiedener Kritiker der Reformbestrebungen deutscher Katholikinnen und Katholiken. Auch dem Synodalen Weg stand er kritisch gegenüber.

Würtz äußerte sich bei seinem ersten Auftritt zu Reformfragen zunächst eher allgemein. Es sei allen aufgegeben, "synodal als Kirche unterwegs zu sein", sagte er. Aus seinem Abstimmungsverhalten beim Synodalen Weg lässt sich aber eine offenere Haltung ablesen: Dort befürwortete er unter anderem Texte zu Frauen in sakramentalen Ämtern, Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare sowie die Idee, Laien das Predigen in Messen zu ermöglichen. Letzteres hatte der Vatikan zuletzt zurückgewiesen.

Glückwünsche aus der Kirche

Nach der Bekanntgabe gratulierten mehrere Bischöfe. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, zeigte sich überzeugt, dass Würtz ein guter Verkünder der Frohen Botschaft in Eichstätt sein werde. Kardinal Reinhard Marx hieß ihn im Namen des Erzbistums München und Freising in Bayern willkommen und verwies darauf, dass Eichstätt im Herzen des Freistaats liege. Auch der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl begrüßte das Ende der langen Vakanz und betonte die gemeinsame Verantwortung für die Kirche in der Region.

Kleinstes katholisches Bistum Bayerns

Gemessen an der Zahl der Gläubigen ist Eichstätt das kleinste katholische Bistum im Freistaat. Nach dem Stand von 2025 gehören der Diözese 334.517 Katholikinnen und Katholiken an. Das Bistumsgebiet liegt im Herzen Bayerns und reicht vom Süden Nürnbergs bis nach Ingolstadt.

Bistum zuletzt wegen Finanzskandal in den Schlagzeilen

In den vergangenen Jahren geriet das Bistum vor allem wegen eines Finanzskandals in die Öffentlichkeit. Verantwortliche mussten sich vor Gericht verantworten, nachdem rund 60 Millionen US-Dollar in spekulative Immobiliengeschäfte in den USA investiert worden waren. Das Geld floss nicht wie geplant zurück. Das entspricht derzeit umgerechnet etwa 52,6 Millionen Euro.

Die Reformgruppe "Wir sind Kirche" erklärte zur Ernennung, die Diözese brauche jemanden, der Menschen zusammenbringe, Mitarbeitende und Gläubige neu motiviere und offen nach Ideen und Initiativen frage.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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