Karim Khan, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), ist mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst suspendiert worden. Hintergrund sind Vorwürfe sexueller Übergriffe. Über eine mögliche endgültige Amtsenthebung sollen die Vertragsstaaten des Gerichts nun auf einer Sondersitzung entscheiden. Das Präsidium der Vertragsstaaten in Den Haag teilte mit, dass dieses Treffen so schnell wie möglich stattfinden soll.
Auslöser sind Anschuldigungen einer engen Mitarbeiterin aus dem Jahr 2024. Sie wirft dem britischen Juristen vor, sie über einen längeren Zeitraum mehrfach bedrängt und zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Eine Kommission der Vereinten Nationen untersuchte die Vorwürfe und legte ihren Bericht im Dezember 2025 vor. Veröffentlicht wurde das Dokument bislang nicht.
Auch drei Richter des Weltstrafgerichts erarbeiteten auf Grundlage der Untersuchung ein Rechtsgutachten. Dieses blieb ebenfalls unter Verschluss.
Der 56-jährige Khan lässt sein Amt seit gut einem Jahr vorläufig ruhen und hatte angekündigt, nach Klärung der Vorwürfe zurückkehren zu wollen. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen weist er zurück.
USA setzen Gericht unter Druck
Khan stand seit 2021 an der Spitze der Anklagebehörde des Weltstrafgerichts. In seine Amtszeit fallen unter anderem Anträge auf Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Vor allem wegen des Vorgehens gegen Netanjahu verstärkten die USA ihren Druck auf das Gericht und verhängten Sanktionen gegen Mitarbeiter und Richter.
125 Staaten haben den Grundlagenvertrag des Strafgerichtshofs unterzeichnet, darunter alle EU-Staaten. Die USA, Russland und Israel gehören dem Gericht nicht an.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion