Mistral-Chef warnt Europa vor Abhängigkeit bei fortschrittlicher KI
Der Mitgründer von Mistral AI, Arthur Mensch, hat auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin davor gewarnt, dass Europa künftig womöglich keinen Zugang mehr zu den leistungsfähigsten KI-Modellen aus den USA oder China haben könnte. Der Grund: Künstliche Intelligenz werde zunehmend als militärisch relevante Technologie betrachtet und könne deshalb unter strenge Exportauflagen fallen.
KI mit zivilem und militärischem Nutzen
Nach Einschätzung von Mensch liegt die Brisanz im sogenannten Dual-Use-Charakter moderner KI. Hochentwickelte Systeme seien nicht nur für Unternehmen und den Alltag nützlich, sondern könnten auch für militärische Aufklärung, automatisierte Cyberangriffe oder autonome Waffensysteme eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang haben die USA bereits umfassende Exportbeschränkungen verhängt, etwa bei Hochleistungs-Chips für KI und bei moderner Technik zur Halbleiterproduktion mit Blick auf China.
Europa soll eigene Modelle entwickeln
Mensch hält es für riskant, die Entwicklung großer Sprachmodelle und sogenannter Reasoning-Modelle allein amerikanischen und chinesischen Akteuren zu überlassen. Europa müsse selbst in der Lage sein, KI-Systeme zu bauen, die logisch schlussfolgern und komplexe Weltmodelle abbilden können. Ohne eigene technologische Basis drohe eine wachsende Abhängigkeit von ausländischen Anbietern.
Er betonte, dass es für Europa von zentraler Bedeutung sei, eine eigene Infrastruktur und Produktionskapazität für diese Art von KI aufzubauen.
Aufbau vergleichbar mit großer Industriepolitik
Aus Sicht des Mistral-Chefs ist KI weit mehr als nur Softwareentwicklung. Der Aufbau leistungsfähiger Systeme gleiche einem industriellen Großprojekt und lasse sich in seiner Dimension mit dem Ausbau der zivilen Kernenergie vergleichen. Zwar verfüge Europa über starke Fachkräfte und industrielle Kompetenzen, doch es brauche deutlich mehr Investitionen, um ausreichend Rechenkapazität bereitzustellen.
Chancen bei Industriedaten und Weltmodellen
Tanja Rückert, Chief Digital Officer der Robert Bosch GmbH, sieht Europas besondere Stärke in industriellen Anwendungen. Große Chancen lägen demnach bei sogenannten World Models, die mit echten Daten aus Fabriken und Fahrzeugen trainiert werden. Solche Daten seien nicht frei im Internet verfügbar und könnten Europa einen wichtigen Vorsprung bei sicherer und verlässlicher Industrie-KI verschaffen.
Auch Robin Rombach, Mitgründer und CEO des deutschen Start-ups Black Forest Labs, hob die Bedeutung visueller Weltmodelle hervor. Diese Systeme könnten ein intuitives Verständnis physikalischer Zusammenhänge entwickeln, was insbesondere für die Robotik wichtig sei. Zudem könnten solche Modelle direkt auf Geräten laufen, ohne ständig auf Cloud-Infrastruktur angewiesen zu sein.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber