Nach Halloween: Manipulierte Süßigkeiten inzwischen aus fast allen Bundesländern gemeldet
Nach Halloween sind in zahlreichen Bundesländern gefährliche Metallgegenstände in eingesammelten Süßigkeiten entdeckt worden. Im niedersächsischen Bremervörde verletzte sich eine Neunjährige an einer etwa fünf Zentimeter langen Stecknadel in einem Schokoriegel an der Zunge. Andere Kinder blieben unverletzt, obwohl einige bereits in präparierte Süßigkeiten gebissen hatten. Nach Angaben der Polizei kommen fortlaufend weitere Fälle hinzu.
Vielerorts gehen die Ermittler davon aus, dass die Süßwaren absichtlich manipuliert wurden. Deshalb wird unter anderem wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Eltern werden aufgefordert, die Halloween-Beute ihrer Kinder sorgfältig zu kontrollieren und verdächtige Süßigkeiten nicht zu essen. Warum es zu den Vorfällen kam und ob sie miteinander zusammenhängen, ist bislang unklar.
Fälle im ganzen Bundesgebiet – und auch in Österreich
Laut Polizeiberichten wurden in Süßigkeiten Nadeln, Nägel, Schrauben und andere Metallteile gefunden. Betroffen sind unter anderem Schokoriegel, Kaubonbons, Weingummi und Waffelschnitten. Inzwischen wurden Fälle aus allen Bundesländern außer dem Saarland gemeldet. Auch aus Österreich wurden ähnliche Funde bekannt.
So wurden im bayerischen Landshut Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln entdeckt. In Hannover fand eine Neunjährige in drei einzeln verpackten Süßigkeiten – einem Schokoriegel und zwei Kaubonbons – jeweils eine Nähnadel. In Essen bemerkte ein Vater verdächtige Einstichlöcher in der Verpackung eines Schokoriegels, den sein 13-jähriger Sohn erhalten hatte. Im Inneren steckte eine spitze Nadel.
„Das ist einfach nur krank!“
In Garbsen bei Hannover meldete eine Frau eine Nähnadel in einem Schokoriegel, den sie nach eigenen Angaben am Freitag bei Lidl gekauft hatte. Auch hier sind die Hintergründe bislang offen. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall und erklärte, in engem Austausch mit den Ermittlungsbehörden und dem Lieferanten zu stehen. Man nehme den Hinweis sehr ernst und wolle zur lückenlosen Aufklärung beitragen.
Von den versteckten Metallteilen kann erhebliche Gefahr ausgehen. In vielen Fällen wurden sie jedoch noch rechtzeitig entdeckt. Im pfälzischen Mackenbach bemerkte ein neunjähriger Junge beim Hineinbeißen in eine Fruchtgummistange einen Metallnagel und blieb unverletzt. Im oberbayerischen Gräfelfing biss ebenfalls ein Neunjähriger in ein Kaubonbon mit einer Nadel, spuckte es aber sofort wieder aus.
Auf Fehmarn entdeckte eine Elfjährige noch während ihrer Halloween-Runde eine Nähnadel in einem Schokoriegel, als sie ihn auseinanderbrach. Zudem klagte eines von zwei elfjährigen Mädchen nach dem Probieren auffällig schmeckender Weingummis über Übelkeit und Bauchschmerzen, das andere über Kopfschmerzen. In Schönberg in Mecklenburg-Vorpommern wurden ebenfalls Nadeln in Schokoriegeln gefunden.
Eine Passantin in Hannover reagierte entsetzt: „Das ist einfach nur krank. Wer macht so etwas? Was sind das für Menschen, was geht in deren Kopf vor?“
Mutter scannt Süßigkeiten mit Magneten – und wird fündig
In Filderstadt bei Stuttgart meldeten zwei Familien am späten Samstagabend Nadeln in Milch-Haselnuss-Schnitten. Eine Mutter aus der Stadt hatte die Berichte über präparierte Halloween-Süßigkeiten verfolgt und scannte daraufhin die Ausbeute ihrer Tochter mit einem Magneten. Dabei entdeckte sie in einem verpackten Kaubonbon ebenfalls eine Nähnadel.
Neu gemeldet wurde auch ein Fall aus Hamburg: Dort erhielt eine 13-Jährige, die mit einer Freundin unterwegs war, laut Polizei von zwei verkleideten mutmaßlichen Jugendlichen einen Schokoriegel. Auffällig sei gewesen, dass die beiden dabei „hämisch“ gelacht hätten. Als das Mädchen den Riegel später auspackte, entdeckte sie darin eine Nadel.
Auch in Thüringen wird in mehreren Fällen ermittelt. Nach Polizeiangaben wurden dort in verschiedenen Orten drei bis sechs Zentimeter lange Nadeln in Schokoriegeln, Schokowaffeln und Kaubonbons gefunden. In einer Gemeinde im Landkreis Eichsfeld steckte zudem eine Nadel in einem Apfel.
Viele Haustüren, wenige Anhaltspunkte
Ob die Vorfälle in den unterschiedlichen Regionen miteinander in Verbindung stehen, ist weiter unklar. Die Ermittlungen werden zusätzlich dadurch erschwert, dass Kinder an sehr vielen Haustüren klingeln und später oft nicht mehr sagen können, woher welches einzelne Stück Süßigkeit stammt.
Ähnliche Funde hat es auch in früheren Jahren gegeben. So entdeckte 2025 eine Mutter in Mittelfranken einen rund zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung im gesamten Bundesgebiet fällt jedoch besonders auf. Ob möglicherweise ein Trend in sozialen Medien dahintersteckt, ist offen.
Das Bundeskriminalamt teilte mit, dass das Phänomen manipulierte Süßigkeiten grundsätzlich bekannt sei. Eine gesonderte Erfassung solcher Fälle gebe es aber weder in der Polizeilichen Kriminalstatistik noch beim BKA. Ermittlungsverfahren würden von den Polizeibehörden der Länder geführt.
Polizei rät zu gründlicher Kontrolle und zum Erhalt möglicher Spuren
Die Polizei empfiehlt Eltern, eingesammelte Süßigkeiten vor dem Verzehr genau zu untersuchen. Hinweise auf mögliche Manipulationen können kleine Einstichstellen, beschädigte Verpackungen oder ein ungewöhnlicher Geruch sein. Verdächtige Süßwaren sollten zusammen mit der Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. Mögliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, damit vorhandene Spuren erhalten bleiben.
Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Nadel oder einen anderen spitzen Gegenstand verschluckt hat, sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Solche Gegenstände können schwere innere Verletzungen verursachen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Redaktion
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber