Politik

Chaos im Pentagon? Warum unter Hegseth so viele gehen

Mitten im Iran-Krieg wankt das Pentagon: Top-Personalien fliegen – und nun gerät selbst «Kriegsminister» Hegseth unter Druck.

01.09.2026, 16:31 Uhr

Unruhe im Pentagon: Nächster Rücktritt unter Hegseth

Im US-Verteidigungsministerium häufen sich Streit, Machtkämpfe und Personalwechsel. Jüngstes Beispiel ist Daniel Driscoll, der als Staatssekretär für das US-Heer zuständig war. Nach Medienberichten hat er seinen Rücktritt eingereicht.

Driscoll spielte zeitweise eine wichtige Rolle bei internationalen Gesprächen zum Krieg in der Ukraine und gilt zudem als enger Vertrauter von US-Vizepräsident JD Vance. Sein Abgang wirft erneut die Frage auf, warum das Pentagon gerade in einer angespannten außenpolitischen Lage derart von internen Konflikten geprägt ist.

Serie von Abgängen im Verteidigungsministerium

Schon seit Längerem kommt es im Pentagon zu auffällig vielen Entlassungen und Rücktritten. Dazu zählen unter anderem:

  • Anfang Juli wurde General Christopher Donahue nach nur 18 Monaten als Kommandeur der US-Landstreitkräfte in Europa und Afrika abgelöst. Sein Dienstsitz war Wiesbaden.
  • Bereits im April ersetzte die US-Regierung mitten im Konflikt mit dem Iran den Staatssekretär für die Marine. John Phelan, ein ehemaliger Investmentbanker, war erst seit März des Vorjahres im Amt und hatte sich vor allem mit Schiffbau und maritimer Industrie befasst.
  • Ebenfalls Anfang April trat General Randy George, Stabschef des US-Heeres, zurück. Berichten zufolge soll er dazu gedrängt worden sein.

Hegseth gerät stärker unter Druck

Mit jedem weiteren Abgang rückt Verteidigungsminister Pete Hegseth selbst stärker in den Mittelpunkt. Der frühere Fox-News-Moderator bezeichnet sich als „Kriegsminister“, betont regelmäßig das soldatische Ethos und inszeniert militärische Einsätze, etwa gegen Drogenschmuggler in der Karibik oder gegen den Iran, auch mit Videos auf X.

Daniel Driscoll
Medien: Driscoll reicht Rücktritt ein. (Archivbild) Quelle: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Gleichzeitig mehren sich die Berichte, wonach ranghohe Militärs zum Aufgeben ihrer Posten gedrängt worden seien. Das Magazin Atlantic schrieb sogar, Hegseth habe die Laufbahnen zahlreicher Militärangehöriger beendet.

Konflikte um Kurs und Führungsstil

Offizielle Gründe für die Personalwechsel nennt das Pentagon nicht. Im Fall von Randy George berichteten US-Medien, Hegseth wolle die Spitzenpositionen mit Personen besetzen, die seine und Donald Trumps Vorstellungen für das Heer konsequent umsetzen. Bereits im Mai 2025 hatte Hegseth angekündigt, die Zahl der Vier-Sterne-Generäle und Admiräle im Pentagon um mindestens 20 Prozent senken zu wollen. Sein Ziel sei ein Abbau unnötiger Bürokratie.

Auch zwischen Driscoll und Hegseth soll es schon länger Spannungen gegeben haben. Driscoll war verantwortlich für Einsätze, Modernisierung und die Verteilung von Ressourcen für nahezu eine Million Soldaten, Nationalgardisten und Reservisten.

Die Washington Post berichtet, dass es sowohl fachlich als auch persönlich wiederholt Reibungen zwischen beiden gegeben habe. Eine Rolle gespielt hätten demnach unterschiedliche Auffassungen über die Entlassung ranghoher Generäle. Zudem soll Hegseth den Eindruck gehabt haben, Driscoll habe ihm nicht den aus seiner Sicht angemessenen Respekt entgegengebracht. Die Zeitung beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Nähe zu Vance half offenbar nicht

Eigentlich schien Driscoll politisch gut abgesichert. Er kennt Vizepräsident JD Vance seit gemeinsamen Studienzeiten. Doch diese Verbindung konnte seinen Abgang offenbar nicht verhindern.

Nach Einschätzung des Atlantic wirkte Driscoll zeitweise als eine Art Bremse gegenüber Hegseths impulsivem Führungsstil. Mit seinem Rückzug dürfte der Einfluss des Verteidigungsministers im Pentagon weiter wachsen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Hegseth den Posten mit jemandem besetzen wird, der seine Linie stärker unterstützt.

Offen bleibt nun vor allem, ob Präsident Trump Hegseths Kurs der harten Personalbereinigung weiterhin uneingeschränkt mitträgt – oder ob der Minister selbst irgendwann unter Druck geraten könnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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