Spanien plant nach der großen Ankunft von Migranten Ende Juli in Ceuta, etwa 500 besonders schutzbedürftige unbegleitete Minderjährige auf das Festland zu verlegen. Integrationsministerin Elma Saiz bestätigte im Gespräch mit dem Radiosender RNE entsprechende Berichte. Demnach arbeitet die Regierung in Madrid gemeinsam mit den Behörden der nordafrikanischen Exklave und den Regionen des Landes an einer Lösung.
Die Kinder und Jugendlichen sollen auf dem spanischen Festland in geeigneten Einrichtungen von Kinderschutzorganisationen betreut werden. Medien zufolge ist eine verbindliche und solidarische Verteilung auf alle Regionen Spaniens vorgesehen. Auch die Unterbringung in Pflegefamilien steht im Raum. Die genannte Zahl von rund 500 Minderjährigen gilt bislang nur als vorläufig.
Saiz erklärte, konkrete Details könnten derzeit noch nicht genannt werden. Entscheidend sei bei allen Schritten, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen. Für Ceuta stellt der Staat 25 Millionen Euro bereit. Darüber hinaus hat Spanien bei der Europäischen Union Nothilfen beantragt.
Lage in Ceuta weiterhin angespannt
Wie der staatliche Fernsehsender RTVE berichtete, hat die spanische Nationalpolizei seit Ende Juli in Ceuta insgesamt 2.168 unbegleitete Minderjährige erfasst und den örtlichen Behörden übergeben.
Schätzungen zufolge erreichten damals bis zu 80.000 Migranten die Exklave an der Straße von Gibraltar, viele von ihnen schwimmend. Ein Großteil kehrte kurz darauf wieder nach Marokko zurück. Nach der jüngsten offiziellen Bilanz wurden 83 Leichen aus dem Meer geborgen. Hilfsorganisationen gehen jedoch von deutlich mehr als hundert Todesopfern aus.

Nach Angaben von Innenminister Fernando Grande-Marlaska befinden sich derzeit noch etwa 5.000 Migranten in Ceuta. Ihre Unterbringung und Versorgung bleibt für die Behörden eine enorme Belastung. Die Menschen stammen nicht nur aus Marokko, sondern auch aus Staaten südlich der Sahara. Besonders besorgniserregend ist die Situation der unbegleiteten Minderjährigen, die in Ceuta geblieben sind – darunter viele Mädchen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber