Unter den Hunderten Vermissten nach der verheerenden Flutkatastrophe im Himalaya sind auch zahlreiche Pilger. Viele von ihnen waren auf dem Weg zum Mount Kailash in Tibet oder von dort auf der Rückreise. Auch vier Deutsche werden seit dem Unglück vermisst. Nach bisherigen Informationen riss der Kontakt zu ihnen ab, als sie vom Kailash und vom heiligen Manasarovar-See zurückkehrten.
Was den Mount Kailash so besonders macht
Der fast 6.700 Meter hohe Mount Kailash hat für Millionen Menschen eine außergewöhnliche spirituelle Bedeutung. Hindus, Buddhisten, Jains und Anhänger der tibetischen Bön-Tradition verehren ihn gleichermaßen als heiligen Berg.
Im Hinduismus gilt der Kailash als Wohnsitz von Shiva und Parvati. Im Buddhismus wird er mit dem mythischen Weltenberg Meru verbunden. Jedes Jahr zieht der Berg deshalb Tausende Pilger an – nicht nur aus Asien, sondern auch viele Besucher aus westlichen Ländern.
Eine Besteigung des Berges ist strikt verboten. Stattdessen umrunden Gläubige den Kailash auf der etwa 50 Kilometer langen Kailash-Kora. Diese mehrtägige rituelle Route soll von Sünden reinigen und spirituelles Verdienst bringen.
Hindus und Buddhisten absolvieren die Umrundung traditionell im Uhrzeigersinn, während Bön-Anhänger den entgegengesetzten Weg wählen. Die Bön-Religion ist eine sehr alte, vorbuddhistische Tradition Tibets. Sie bewahrt eigene Rituale, Gottheiten und die Vorstellung einer beseelten Natur, zu der etwa Berge, Flüsse und Bäume zählen.
Auch der Manasarovar-See gilt als heilig
Der Kailash liegt im Westen Tibets und ist wegen seiner abgeschiedenen Hochgebirgslage nur schwer erreichbar. In der Nähe befindet sich der ebenfalls verehrte Manasarovar-See. Viele Pilger baden in seinem Wasser oder führen am Ufer Reinigungsrituale durch. Für zahlreiche Reisende gehören der Berg und der See zu einer gemeinsamen Pilgerfahrt.
Viele internationale Besucher reisen über Nepal in die Region. Besonders gefragt sind organisierte Touren, darunter auch Reisen des indischen spirituellen Lehrers Jaggi Vasudev, bekannt als Sadhguru.
Seine Isha Foundation organisiert regelmäßig Pilgerfahrten zum Kailash. Medienberichten zufolge gehörten die vier vermissten Deutschen zu einer solchen Gruppe mit fast 80 Teilnehmern. Seit der Katastrophe gibt es keinen Kontakt mehr zu ihnen. Die Sturzflut zerstörte am Mittwoch wichtige Straßen und Grenzverbindungen, über die Pilger normalerweise zwischen Nepal und Tibet reisen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber