Sánchez wirft sozialen Netzwerken Desinformation zur Ceuta-Krise vor
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat sozialen Netzwerken mit nach seinen Worten Verbindungen nach Russland und Israel vorgeworfen, nach dem massenhaften Ansturm auf die nordafrikanische Exklave Ceuta Ende Juli Falschinformationen verstärkt zu haben. In einem Interview mit dem Radiosender Ser sprach er außerdem von einer „internationalen rechtsextremen Bewegung“, die das Thema Migration immer wieder nutze, um Spanien und Europa anzugreifen und zu spalten. Konkrete Belege für diese Vorwürfe nannte Sánchez zunächst nicht.
Nach Angaben von Innenminister Fernando Grande-Marlaska gelangten am 30. und 31. Juli etwa 72.000 Migranten aus Marokko nach Ceuta – teils schwimmend, teils über die Grenzanlagen. Die meisten seien innerhalb weniger Stunden wieder zurückgekehrt. Dennoch hielten sich laut dem Minister am Freitag noch rund 5.000 Menschen in dem kleinen Gebiet auf, das flächenmäßig sogar etwas kleiner ist als der Frankfurter Flughafen. Darunter seien 1.200 Minderjährige, sagte Sánchez.
Wegen der seit Wochen andauernden Präsenz so vieler Migranten wächst in Teilen der Bevölkerung der Unmut. Einige Einheimische protestieren zunehmend gewaltsam. Dadurch gerät die Regierung von Sánchez zusätzlich unter Druck.
Zugleich betonte der Regierungschef, Spanien könne nur auf Basis von Daten und gesicherten Fakten handeln. Nach bisherigem Kenntnisstand sei ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli in sozialen Netzwerken verfälscht dargestellt worden. Diese Verdrehung sei durch Falschmeldungen, Desinformation und auch durch kriminelle Schleusernetzwerke verbreitet worden. In den Beiträgen sei behauptet worden, das Gericht habe entschieden, dass Menschen, die schwimmend Ceuta erreichen, nicht abgeschoben werden dürften. Das treffe jedoch nicht zu, sagte Sánchez. Marokko habe während der Krise umgehend und umfassend mit den spanischen Behörden zusammengearbeitet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber