Bundestag ebnet weitere Planung für große Bahnvorhaben
Der Bundestag hat die nächsten Planungsschritte für mehrere große Schienenprojekte ermöglicht. Betroffen sind eine neue Bahnverbindung von Dresden bis an die tschechische Grenze, die Neubaustrecke zwischen Augsburg und Ulm sowie der Ausbau der Marschbahn in Schleswig-Holstein auf dem Abschnitt nach Sylt.
Den Entscheidungen gingen langjährige Vorarbeiten der Deutschen Bahn voraus. Das Bundesverkehrsministerium hatte dem Parlament dazu Berichte mit jeweils bevorzugten Trassenvarianten vorgelegt. Auf dieser Grundlage sprach der Verkehrsausschuss seine Empfehlungen aus.
Mit dem Bundestagsbeschluss ist zwar ein wichtiger Meilenstein erreicht, bis zu einem möglichen Baustart wird jedoch noch viel Zeit vergehen. Zunächst stehen detaillierte Entwurfs- und Genehmigungsverfahren an. Zudem ist die Finanzierung weiter offen. Nach Einschätzung des Verkehrsministeriums fehlen in den kommenden Jahren erhebliche Mittel für den Ausbau des Schienennetzes. Ein Ministeriumssprecher erklärte, an einer Lösung werde gearbeitet. Die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta forderte zusätzliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur.
Augsburg–Ulm
Die bestehende Bahnstrecke zwischen Augsburg und Ulm ist rund 85 Kilometer lang und bereits etwa 170 Jahre alt. Nach Angaben der Bahn-Tochter InfraGO genügt sie den Anforderungen an eine moderne Hochgeschwindigkeitsverbindung nicht mehr; ein Ausbau der alten Trasse gilt demnach nicht als praktikabel. Deshalb ist eine neue Strecke vorgesehen.

Künftig soll sich die ICE-Fahrzeit zwischen Augsburg und Ulm von derzeit über 40 Minuten auf etwa 26 Minuten verkürzen. Geplant ist, die neue Trasse weitgehend entlang der Autobahn 8 zwischen München und Stuttgart zu führen. Die Züge sollen dort Geschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde erreichen.
Das Vorhaben ist Teil des angestrebten Deutschlandtakts, der mehr Verbindungen, bessere Anschlüsse und kürzere Reisezeiten bringen soll. Die Kosten werden auf mindestens 8,2 Milliarden Euro geschätzt.
Dresden–Prag
Die geplante Verbindung von Dresden bis zur Grenze zu Tschechien gilt aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums als wichtiger Bestandteil eines internationalen Hochgeschwindigkeitskorridors zwischen Berlin, Prag und Wien. Kernstück des Projekts ist ein rund 30 Kilometer langer Tunnel durch das Erzgebirge.
Die Fahrzeit zwischen Dresden und Prag soll dadurch von bislang etwa zweieinhalb Stunden auf rund eine Stunde sinken. Gleichzeitig soll die neue Trasse die stark belastete Strecke im Elbtal entlasten. Auch Anwohnerinnen und Anwohner im oberen Elbtal könnten von weniger Lärm profitieren, da Güterverkehr auf die Neubaustrecke verlagert werden soll.
Für das Projekt werden Kosten von mindestens 5,6 Milliarden Euro veranschlagt. Nach Angaben von InfraGO könnte der Bau im Dezember 2032 beginnen, die Inbetriebnahme ist für Ende 2044 vorgesehen. Wenn das Vorhaben weiterverfolgt wird und die Finanzierung steht, könnte auch ein Staatsvertrag mit Tschechien unterzeichnet werden.
Marschbahn nach Sylt
Auch die Bahnstrecke nach Sylt gilt als stark ausgelastet und als Engpass. Geplant ist deshalb ein zweigleisiger Ausbau auf den Abschnitten zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie zwischen Morsum und Tinnum.
Auf der Strecke Niebüll–Klanxbüll soll die zulässige Geschwindigkeit von derzeit 100 auf 140 Kilometer pro Stunde steigen. Die Gesamtkosten werden auf mindestens 426 Millionen Euro geschätzt. Laut InfraGO ist der Baustart für den Sommer 2032 vorgesehen, die Inbetriebnahme für den Herbst 2039.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion