Politik

Bundestag auf TikTok: Warum jetzt?

TikTok trotz Zweifel: Warum der Bundestag jetzt auf die umstrittene App setzt, um junge Menschen zu erreichen.

01.10.2026, 12:21 Uhr

Bundestag jetzt auch auf TikTok aktiv

Der Deutsche Bundestag ist nun auch auf TikTok vertreten. Im ersten Kurzvideo des neuen Accounts geht es um Redezeiten im Parlament, den richtigen Ton am Rednerpult und einen kleinen Rückblick ins Archiv. Auch eine Mikrofon-Panne ist zu sehen – ein Hinweis darauf, dass selbst im Reichstagsgebäude nicht immer alles reibungslos abläuft.

Mit dem Schritt auf die Plattform will das Parlament seine Social-Media-Aktivitäten ausbauen und vor allem jüngere Menschen besser ansprechen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) betont, demokratische Institutionen müssten dort präsent sein, wo politische Meinungsbildung stattfinde. Für viele junge Menschen sei TikTok heute eine zentrale, teils sogar die einzige Informationsquelle. Diese Entwicklung zu ignorieren, wäre aus ihrer Sicht fahrlässig – trotz der Kritik an der Plattform, die sie ausdrücklich teilt.

Inhalte von Aktuellem bis Hintergrund

Der TikTok-Kanal des Bundestages soll nicht nur aktuelle politische Themen aufgreifen, sondern auch historische Zusammenhänge erklären und Einblicke hinter die Kulissen geben. Bereits jetzt ist das Parlament mit eigenen Auftritten auf Instagram, YouTube, LinkedIn, WhatsApp, Mastodon, X und Bluesky vertreten.

Kritik an TikTok bleibt bestehen

TikTok gehört weltweit zu den am häufigsten genutzten sozialen Netzwerken. Nach Angaben des Unternehmens nutzen in Deutschland mehr als 27 Millionen Menschen die App monatlich. Die Plattform gehört zum chinesischen Konzern ByteDance und setzt auf kurze Videos, deren Verbreitung maßgeblich durch einen Algorithmus gesteuert wird. Welche Inhalte angezeigt werden, hängt dabei weniger von abonnierten Accounts ab als vom Verhalten der Nutzer – etwa von Sehdauer, Likes oder Kommentaren. Dadurch können auch neue Profile ohne große Reichweite sehr schnell ein Millionenpublikum erreichen.

Julia Klöckner
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) sagt, man müsse grundsätzlich dahin gehen, wo die politische Meinungsbildung stattfinde. (Archivbild) Quelle: Michael Kappeler/dpa

Gerade dieses System ist jedoch umstritten. Deutsche Sicherheitsbehörden warnen vor möglichen Risiken beim Datenschutz und vermuten, dass die Plattform für Datenausspähung genutzt werden könnte. Zusätzlich steht TikTok wegen möglicher negativer Folgen für die psychische Gesundheit junger Nutzerinnen und Nutzer in der Kritik.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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