Politik

Bärbel Bas: «So wurde ich zum Feindbild»

„Personifiziertes Feindbild“: Bärbel Bas enthüllt heftige Hassattacken – und die überraschende Schwäche, die sie mit Merz teilt.

01.06.2026, 22:42 Uhr

Auch SPD-Chefin Bärbel Bas hat nach eigenen Worten Schwierigkeiten, die vielen Anfeindungen und Beschimpfungen gegen ihre Person auszuhalten. Bei einem "Ständehaus-Treff" der Rheinischen Post in Düsseldorf sagte die Bundesarbeits- und Sozialministerin, die Angriffe seien oft stark personalisiert. Sie habe das Gefühl, für manche zu einem regelrechten Feindbild geworden zu sein. Vieles von dem, was sie über sich lesen müsse, lasse sie nicht einfach kalt.

Hass vor allem aus rechten Netzwerken

Bas kritisierte, insbesondere rechte Netzwerke hätten es auf starke und selbstbewusste Frauen abgesehen. Diese würden mit Hassbotschaften und persönlichen Attacken gezielt eingeschüchtert. Besonders belastend sei es, wenn solche Anfeindungen auch die Kinder von politisch engagierten Menschen träfen. In diesem Zusammenhang sagte die 58-Jährige, sie sei inzwischen fast erleichtert, keine eigenen Kinder zu haben.

Nicht Kritik, sondern gezielte Zerstörung

Nur einen Teil der Vorfälle bringe sie zur Anzeige, berichtete Bas. Leicht sei das alles jedoch nicht zu ertragen. Ihrer Einschätzung nach gehe es dabei meist nicht um inhaltliche Auseinandersetzung, sondern um blanken Hass. Sie sprach auch von sexualisierten Bedrohungen und Vergewaltigungsfantasien, mit denen sie konfrontiert werde. Sachlicher Streit über politische Fragen sei für sie selbstverständlich, sagte die Duisburgerin. Bei vielen Angriffen gehe es jedoch allein darum, Menschen persönlich zu treffen und sie so lange zu zermürben, bis sie aufgäben.

Aufgeben will sie trotzdem nicht

Für sich selbst schloss Bas aus, sich davon vertreiben zu lassen. Zwar gebe es in Phasen großer Belastung durchaus Momente, in denen sie denke, sie könnte es sich auch leichter machen. Am Ende komme sie aber immer wieder zu dem Schluss, dass sie ihren Gegnern diesen Gefallen nicht tun wolle. Gleichzeitig räumte sie ein, dass man sich bei wachsendem Druck schon frage, wie lange man das alles durchhalten könne.

"Politiker sind keine Superhelden"

Bas betonte außerdem, dass Politiker selbstverständlich Fehler machten. Niemand in der Politik sei ein Superheld. Umso wichtiger sei es, Verantwortung zu übernehmen und zu verhindern, dass Hass und Einschüchterung das demokratische Miteinander beschädigten. Demokratinnen und Demokraten dürften sich nicht zurückziehen und Populisten die Bühne überlassen, sagte sie unter Applaus aus dem Publikum.

Austausch mit Kanzler Merz

Im Gespräch mit RP-Chefredakteur Moritz Döbler wurde Bas auch auf ihre mitunter zugespitzten Formulierungen angesprochen. Ähnlich wie Kanzler Friedrich Merz äußere sie sich gelegentlich missverständlich, hieß es. Bas reagierte gelassen und sagte, sie und Merz sprächen häufig genau über solche Dinge. Gerade deshalb funktioniere die Zusammenarbeit wohl auch ganz gut. Man rede offen darüber, wer über wen was gesagt habe.

Streit, "Bullshit" und ein Versöhnungssalat

Bas erzählte zudem, Merz habe ihr nach einer gemeinsamen Reise mit dem Regierungsflieger das freundschaftliche "Du" angeboten. Kurz darauf habe sie sich im vergangenen Sommer kritisch über eine Aussage des Kanzlers zum Sozialstaat geäußert und dabei das Wort "Bullshit" benutzt. Als Merz sich daraufhin meldete, habe sie ihn scherzhaft gefragt, ob er ihr das "Du" nun wieder entziehen wolle. Seine Antwort sei gewesen, dass man darüber reden müsse und es so nicht weitergehen könne. Am Ende habe es jedoch keinen Bruch gegeben, sondern vielmehr einen "Versöhnungssalat mit zwei Bier".

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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