Proteste in Brünn gegen geplanten Sudetendeutschen Tag
In der tschechischen Stadt Brünn haben etwa 500 Menschen gegen den zu Pfingsten vorgesehenen Sudetendeutschen Tag demonstriert. Zu der Kundgebung hatte die ultrarechte Kleinpartei Freiheit und direkte Demokratie (SPD) aufgerufen. Ihr Gründer und Parlamentsvize Tomio Okamura bezeichnete das Treffen laut der Agentur CTK als eine „himmelschreiende Schande“. Auf Transparenten standen Parolen wie „Treffen der Sudetendeutschen – eine Schande für Brünn“ und „Gegen die schleichende Germanisierung“.
Einladung durch Bürgerinitiative
Das traditionelle Pfingsttreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft soll vom 22. bis 25. Mai erstmals überhaupt in Tschechien stattfinden. Es steht unter dem Leitwort „Alles Leben ist Begegnung“. Eingeladen wurde der Verband von den Organisatoren des Festivals Meeting Brno. Diese Initiative verantwortet auch den jährlichen Versöhnungsmarsch, der an die Vertreibung von rund 20.000 deutschsprachigen Brünnern nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert.
Nach dem Krieg und den Verbrechen der NS-Besatzung wurden insgesamt rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Viele von ihnen ließen sich später in der Bundesrepublik nieder. Bayern hat seit 1954 die Schirmherrschaft über die Sudetendeutschen übernommen. Das Verhältnis zwischen Tschechen und Sudetendeutschen galt über lange Zeit als schwer belastet.
Kritik von früheren Präsidenten
Die Regierung in Prag hat sich bisher offiziell kaum zu dem geplanten Treffen geäußert. Der populistische Ministerpräsident und Unternehmer Andrej Babiš sprach von einer rein zivilgesellschaftlichen Initiative. Deutlich ablehnender äußerten sich dagegen die ehemaligen Präsidenten Václav Klaus und Miloš Zeman. Klaus wies den Begriff der Aussöhnung als „falsch“ zurück. Zeman warnte zudem davor, die Veranstaltung könne zu einer „Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs“ führen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion