Bayern

Eklat um Erhard-Gipfel: Goetz-Weimer attackiert AfD

Warum werden Gorbatschow, Selenskyj und Theo Waigel plötzlich in einem Atemzug genannt? Alle drei wurden beim Ludwig-Erhard-Gipfel mit dem Freiheitspreis ausgezeichnet. Doch ausgerechnet zum Auftakt 2026 löste die Gastgeberin mit ihrer Kritik erste Irritationen aus.

28.04.2026, 16:50 Uhr

Zum Beginn des Ludwig-Erhard-Gipfels hat Gastgeberin und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer von einer politischen Kampagne gegen ihren Verlag und die Veranstaltung am Tegernsee gesprochen.

In ihrer Eröffnungsrede erklärte sie, nach der Berufung ihres Mannes Wolfram Weimer in die Bundesregierung habe es eine Phase heftiger Angriffe gegeben. Vor allem der AfD und wirtschaftlichen Konkurrenten warf sie eine gezielte Rufschädigung vor. Politischer oder ökonomischer Wettbewerb rechtfertige ein solches Vorgehen aus ihrer Sicht nicht.

Kritik seit Weimers Eintritt in die Bundesregierung

Der frühere Co-Verleger Wolfram Weimer, parteilos, war 2025 als Kulturstaatsminister ins Bundeskabinett gewechselt. Danach geriet auch der Gipfel verstärkt in die Kritik. Damals stand unter anderem der Vorwurf im Raum, Unternehmen könnten sich durch Zahlungen einen exklusiven Zugang zu Bundesministern sichern. In der Werbung für die Veranstaltung war von „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ die Rede. Die Weimer Media Group wies diese Vorwürfe stets zurück. Zwischenzeitlich hatte die AfD im Bayerischen Landtag zudem einen Untersuchungsausschuss gefordert.

Kaum hochrangige Politiker in diesem Jahr

In den vergangenen Jahren waren regelmäßig Bundesminister und andere prominente Politiker am Tegernsee vertreten, darunter auch Kanzler Friedrich Merz (CDU). Nach den Debatten entschieden sich diesmal jedoch viele Spitzenpolitiker gegen eine Teilnahme.

Goetz-Weimer zeigte sich dennoch kämpferisch. Für Politiker von linksaußen und rechtsaußen, also von der Linken und der AfD, werde es auf dem Gipfel auch 2026 keine Bühne geben, kündigte sie an. Zugleich sagte sie, die AfD versuche seit Jahren, Zugang zur Veranstaltung zu erhalten. Die aktuellen Angriffe seien daher aus ihrer Sicht Teil einer leicht erkennbaren politischen Kampagne.

Freiheitspreis für Theo Waigel

Ein Höhepunkt zum Auftakt war die Auszeichnung des früheren CSU-Bundesfinanzministers Theo Waigel. Der als „Mr. Euro“ bekannte Politiker erhielt den „Freiheitspreis der Medien“ der Weimer Media Group für sein politisches Lebenswerk.

Damit reiht sich Waigel in eine Liste namhafter Preisträger ein. Zu ihnen zählen unter anderem der inzwischen verstorbene Kremlkritiker Alexej Nawalny und seine Frau Julia, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow.

In seiner Laudatio würdigte der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel den 87-Jährigen als Politiker mit prägendem Einfluss. Waigel habe sowohl die deutsche Wiedervereinigung als auch die Einführung des Euro entscheidend mitgestaltet. Schüssel beschrieb ihn als Schwaben, Bayern, Deutschen und Europäer, dem es gelungen sei, all diese Identitäten miteinander zu verbinden.

Waigel mahnt zur Stärkung der Demokratie

Waigel bezeichnete die Ehrung als große Auszeichnung, die er mit Demut annehme. Gleichzeitig äußerte er große Sorge über den Zustand der Demokratie. Wohlstand und Sicherheit, sagte er, entstünden am verlässlichsten dort, wo Demokratie gedeihe. Zudem brauche Europa endlich mehr eigene Wehrhaftigkeit, um die Freiheit wirksam verteidigen zu können.

Goetz-Weimer nannte Waigel einen bedeutenden Staatsmann und womöglich den besten Finanzminister, den Deutschland je gehabt habe. Die Eurozone sei heute eine „Schutzburg in einer wild gewordenen Welt“.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen