Bei der Fußball-WM können Spieler künftig mit Rot vom Platz gestellt werden, wenn sie sich in einer Auseinandersetzung mit einem Gegner beim Sprechen die Hand vor den Mund halten. Das beschloss das International Football Association Board (Ifab) in einer Sondersitzung in Vancouver. Nach Angaben der Regelhüter soll damit diskriminierendes Verhalten konsequenter unterbunden werden.
Ob die Vorgabe sofort auch in anderen Wettbewerben wie der Bundesliga oder der Champions League angewendet wird, liegt zunächst bei den jeweiligen Veranstaltern. Auf längere Sicht sei jedoch denkbar, dass die Regel allgemein verbindlich in das Fußball-Regelwerk aufgenommen werde, erklärte das Ifab auf Anfrage.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte eine solche Maßnahme bereits vor einigen Wochen gefordert. Seine Haltung: Wenn ein Spieler seinen Mund verdeckt und dabei etwas mit rassistischem Inhalt sagt, müsse das zwingend mit einem Platzverweis geahndet werden. Das Abdecken des Mundes dient auf dem Feld oft dazu, Äußerungen vor Kameras und Zuschauern zu verbergen.
Infantino stellt Praxis grundsätzlich infrage
Infantino äußerte zudem grundsätzlich Unverständnis über dieses Verhalten. Wer beim Sprechen den Mund verdecke, erwecke den Eindruck, etwas sagen zu wollen, das nicht gesagt werden sollte. Wenn nichts zu verbergen sei, gebe es aus seiner Sicht keinen Grund, den Mund abzuschirmen.
Auslöser der Diskussion war ein Vorfall in einem Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon. Benficas Gianluca Prestianni hatte sich während eines Konflikts mit Vinícius Júnior das Trikot vor den Mund gezogen. Gegen ihn stand der Verdacht einer rassistischen Äußerung im Raum, was der Spieler zurückwies. Die UEFA sperrte den Argentinier später wegen einer homophoben Bemerkung für sechs Partien, drei davon auf Bewährung.
Weitere Verschärfung für die WM
Darüber hinaus wurden die Regeln für die Weltmeisterschaft in einem weiteren Punkt verschärft: Verlassen Spieler aus Protest gegen eine Entscheidung des Schiedsrichters den Platz, droht ebenfalls die Rote Karte. Das gilt auch für Teamoffizielle, die Spieler zu einem solchen Schritt auffordern.
Führt ein Team auf diese Weise einen Spielabbruch herbei, wird die Begegnung grundsätzlich für den Gegner gewertet. Auch diese Bestimmung kommt bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko zur Anwendung, die am 11. Juni beginnt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion