Brandenburg

Weniger Kranke im Tesla-Werk – warum jetzt?

Tesla ging mit Krankbesuchen auf Konfrontation – jetzt sinkt der Krankenstand. Wurde Beschäftigten sogar der Lohn gestrichen?

29.04.2026, 13:48 Uhr

Der Krankenstand im Tesla-Werk in Grünheide bei Berlin ist nach Unternehmensangaben deutlich gesunken. Aktuell liege er bei knapp fünf Prozent, teilte der US-Elektroautobauer mit. Zuvor hatte das Handelsblatt berichtet. Im Jahr 2024 hatte Werksleiter André Thierig den Anteil noch mit 15 Prozent oder mehr angegeben. Tesla führt den Rückgang auf betriebsinterne Maßnahmen der vergangenen Jahre zurück.

In der bislang einzigen europäischen Autofabrik des von Elon Musk geführten Unternehmens in Brandenburg waren zuletzt rund 10.700 Menschen beschäftigt. Wegen einer gestiegenen Nachfrage sollen bis Ende Juni weitere 1.000 Mitarbeiter eingestellt werden. Damit will Tesla die Produktion um etwa 20 Prozent steigern. Vor gut zwei Jahren lag die Zahl der Beschäftigten noch bei rund 12.400.

Als Beispiele für die Maßnahmen nannte ein Sprecher ein Bonussystem, das regelmäßige Anwesenheit über das Jahr hinweg belohnt. Dadurch seien auffällig viele Fehlzeiten an Montagen und Freitagen deutlich zurückgegangen. Zudem habe Tesla das Sportangebot erweitert: Zum vorhandenen Fitnessstudio seien zwei Plätze für Fußball und Basketball hinzugekommen. Außerdem gebe es Unterstützung durch Fitness- und Ergonomietrainer.

Tesla prüft in einzelnen Fällen Ende der Lohnfortzahlung

Laut Handelsblatt verschickt Tesla erneut Schreiben an krankgemeldete Beschäftigte, in denen auf einen möglichen Stopp der Entgeltfortzahlung hingewiesen wird, ähnlich wie bereits 2024. Das Unternehmen widersprach der Darstellung. Es gehe lediglich um eine niedrige zweistellige Zahl von Fällen pro Monat, in denen über eine Einstellung der Lohnfortzahlung diskutiert werde.

Ein Sprecher erklärte, in wenigen Einzelfällen werde geprüft, ob auch nach Ablauf der gesetzlich vorgesehenen sechs Wochen weiterhin Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht. Beschäftigte würden dann gebeten, diesen Anspruch nachzuweisen. Gelinge das, werde auch weiterhin gezahlt.

Tesla verweist dabei auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2023. Demnach müssen Arbeitnehmer im Streitfall darlegen, dass ihre Erkrankung fortbesteht, und ihre Ärzte gegebenenfalls von der Schweigepflicht entbinden.

IG Metall kritisiert Vorgehen

Die Gewerkschaft IG Metall wirft Tesla vor, in mehreren Fällen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen anzuzweifeln und die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall zu verweigern. Ein Sprecher erklärte, etwa die Hälfte der Rechtsschutzfälle betreffe genau solche Auseinandersetzungen sowie angedrohte oder bereits vorgenommene Kürzungen. Dieses Vorgehen dauere bereits seit mehr als einem Jahr an.

Für Aufsehen hatte Tesla schon vor rund zwei Jahren gesorgt, als das Unternehmen Hausbesuche bei Beschäftigten durchführte, die häufig krankgemeldet waren. Tesla hatte dies damals als nicht ungewöhnlich bezeichnet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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