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Zucker-Steuer? So überraschend reagieren Rewe und Edeka

Kommt jetzt die Zuckersteuer? Warum der Regierungsplan Händler, Hersteller und Experten spaltet – und was das für Kunden heißt.

29.04.2026, 13:36 Uhr

Die geplante Abgabe auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke wird in der Lebensmittelbranche und unter Fachleuten sehr unterschiedlich bewertet. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Händlern, Herstellern, Verbänden und Experten hervor.

Nach dem Willen der Bundesregierung soll die Steuer ab 2028 gelten. Hintergrund sind Empfehlungen einer vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzten Kommission, die Reformvorschläge vorgelegt hatte. Vorgesehen ist unter anderem eine gestaffelte Abgabe auf süße Erfrischungsgetränke wie Cola und Limonade. Ziel ist auch, Krankheits- und Gesundheitskosten zu senken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) begrüßt das Vorhaben. Nach ihrer Einschätzung kann eine Abgabe auf Süßgetränke dazu beitragen, Adipositas und andere ernährungsbedingte Erkrankungen einzudämmen. Aus wissenschaftlicher Sicht seien Steuern auf Süßgetränke eine wirksame Maßnahme der Prävention.

Edeka-Chef: Verbraucher sollen selbst wählen

Kritik kommt dagegen von Edeka-Chef Markus Mosa. Zusätzliche Belastungen würden seiner Ansicht nach das ohnehin angespannte Konsumklima weiter verschlechtern, ohne Wachstumsimpulse zu setzen. Kundinnen und Kunden sollten selbst entscheiden, was sie kaufen und essen. Edeka verweise auf ein breites Sortiment, transparente Kennzeichnung und die seit Jahren laufende Reduzierung von Zucker und Salz bei Eigenmarken.

Auch mehrere Branchenverbände lehnen die geplante Maßnahme ab. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und des Lebensmittelverbands Deutschland, sieht bei einer Zuckersteuer vor allem Nachteile für Verbraucher. Gewinner seien aus seiner Sicht der Finanzminister, die Inflation und leider auch die AfD. Kritiker warnen, dass eine solche Abgabe die Erzählung stärken könnte, der Staat bevormunde seine Bürger.

Zuckerbranche bezweifelt Wirkung

Die Zuckerwirtschaft weist die Pläne ebenfalls zurück. Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, hält eine Zuckerabgabe für den falschen Weg im Kampf gegen Übergewicht. Er verweist darauf, dass nach seiner Einschätzung in keinem Land dadurch weniger Übergewicht festgestellt worden sei. In Großbritannien hätten Hersteller Zucker in Getränken zwar durch künstliche Süßstoffe ersetzt, die Übergewichtsraten stiegen jedoch weiter.

Auch der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels spricht sich gegen die Abgabe aus. Das Vorhaben zeichne ein Bild, das nicht zur tatsächlichen Entwicklung in Deutschland passe. So sei der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren gesunken. Zudem habe die Branche bereits reagiert: Seit 2018 sei der Zuckergehalt marktrelevanter Erfrischungsgetränke um rund 15 Prozent reduziert worden.

Rewe bleibt zurückhaltend

Zurückhaltender äußert sich Rewe-Chef Lionel Souque. Man müsse sich genau ansehen, was eine solche Steuer tatsächlich bringe. Mit Blick auf Großbritannien sieht er bei der Gesundheitswirkung keinen eindeutigen Erfolg. Rewe reduziere bereits bei seinen Eigenmarken Zucker, Salz und Zusatzstoffe, soweit dies geschmacklich möglich sei. Statt neuer Abgaben setze der Konzern auf klare Informationen und Auswahl. Auch Souque betont, dass die Menschen selbst entscheiden sollten.

Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland verweist auf ihre Mitverantwortung für eine gesunde Ernährung. Nach Unternehmensangaben wurde die Menge an zugesetztem Zucker in Erfrischungsgetränken in der Produktion seit 2015 auf freiwilliger Basis um mehr als 17 Prozent gesenkt. Ein wirksamer Weg zu gesünderer Ernährung führe aus Sicht des Konzerns über Innovationen und eine breite Wahlfreiheit im Regal.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels zeigt sich in der Debatte ergebnisoffen. Entscheidend seien wissenschaftliche Belege dafür, dass sich die Gesundheit der Menschen durch eine Zuckerabgabe dauerhaft und nachhaltig verbessere, sagte Hauptgeschäftsführer Philipp Hennerkes. Der Handel trage bereits mit breiten Sortimenten und Informationsangeboten zu ausgewogener Ernährung und Wahlfreiheit bei. Aldi Nord und Aldi Süd wollten sich zu den Plänen nicht äußern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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