Mutmaßlicher Russland-Spion in Berlin festgenommen
In Berlin ist ein Verdächtiger festgenommen worden, der nach Angaben der Bundesanwaltschaft für einen russischen Geheimdienst gearbeitet haben soll. Der aus Kasachstan stammende Mann soll spätestens seit Mai 2025 von Deutschland aus fortlaufend Kontakt zu einem russischen Nachrichtendienst gehalten haben.
Demnach habe er seinem mutmaßlichen Führungsoffizier unter anderem Informationen über die deutsche Militärhilfe für die Ukraine sowie über die heimische Rüstungs- und Verteidigungsindustrie übermittelt. Im Mittelpunkt hätten dabei vor allem Unternehmen gestanden, die Drohnen und robotische Systeme entwickeln.
Fotos aus Berlin und mögliche Rekrutierung für Sabotage
Den Ermittlern zufolge leitete der Mann zudem wiederholt Fotos von öffentlichen Gebäuden in Berlin und von militärischen Konvois auf Autobahnen weiter. Darunter soll sich auch die Aufnahme eines Konvois eines Nato-Staates befunden haben.
Außerdem soll er seinen Kontaktmann beim russischen Geheimdienst auf mögliche Sabotageobjekte in Deutschland hingewiesen und angeboten haben, Personen für eine Sabotage- und Spionagetruppe zu rekrutieren.
Die Festnahme erfolgte am Dienstag durch Beamte des Bundeskriminalamts in Berlin. Noch heute soll der Beschuldigte einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Dieser eröffnet ihm den Haftbefehl und entscheidet über eine mögliche Untersuchungshaft.
Russische Spionage weiter im Fokus der Ermittler
Die Bundesanwaltschaft beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit mutmaßlicher russischer Spionage. Allein in diesem Jahr wurden bereits mehrere Verdächtige festgenommen.
Für Aufsehen sorgte im Januar die Festnahme einer Deutsch-Ukrainerin, die für einen russischen Geheimdienst Informationen gesammelt haben soll. Ihr wird vorgeworfen, Daten über Teilnehmer hochrangiger politischer Veranstaltungen zusammengestellt und sich nach Standorten der Rüstungsindustrie sowie nach geplanten Drohnenlieferungen an die Ukraine erkundigt zu haben. Dabei soll sie auch frühere Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums kontaktiert haben, die sie persönlich kannte.
Im März wurden zudem zwei mutmaßliche Spione in Rheine in Nordrhein-Westfalen und im spanischen Elda gefasst. Sie sollen im Auftrag eines russischen Geheimdienstes einen Mann ausgespäht haben, der aus Deutschland Drohnen in die Ukraine lieferte. Nach Einschätzung der Ermittler sollte dies weitere geheimdienstliche Operationen gegen die Zielperson vorbereiten. Kurz darauf wurde in Hagen ein weiterer Mann festgenommen, der im Auftrag Russlands einen ehemaligen Kämpfer der ukrainischen Streitkräfte in Deutschland ausgespäht haben soll.
Warnung vor zunehmenden hybriden Angriffen
Auch wegen einer Phishing-Kampagne über den Messenger-Dienst Signal, die sich unter anderem gegen deutsche Politikerinnen und Politiker richtete, ermittelt die Bundesanwaltschaft seit Mitte Februar. Die Bundesregierung vermutet Russland hinter der laufenden Ausspähaktion. Die Ermittler haben sich zu einem möglichen Auftraggeber bislang jedoch nicht öffentlich geäußert.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat inzwischen eine Handreichung veröffentlicht, die Bürgerinnen und Bürgern helfen soll, hybride Bedrohungen besser zu erkennen und abzuwehren. Darunter versteht man eine Mischung aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln, mit denen auch die öffentliche Meinung beeinflusst werden kann. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes haben entsprechende Aktivitäten seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine deutlich an Umfang und Professionalität zugenommen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion