James Krüss wäre 100 geworden: Helgoland und München erinnern an den großen Erzähler
„Stellt die Uhren ab. Vergesst die Zeit. Ich möchte euch Geschichten erzählen“ – mit diesen Worten aus Sommer auf den Hummerklippen lässt sich James Krüss treffend beschreiben. Der Schriftsteller aus Helgoland, der lange auch in München lebte, hätte am 31. Mai seinen 100. Geburtstag gefeiert. Sein Werk ist umfangreich: Er schrieb Gedichte, Romane, Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke – vor allem für Kinder und Jugendliche, aber längst nicht ausschließlich.
Zu seinen bekanntesten Büchern zählen Timm Thaler oder das verkaufte Lachen und Mein Urgroßvater und ich. Für sein literarisches Lebenswerk erhielt Krüss 1968 den Hans-Christian-Andersen-Preis, die bedeutendste internationale Ehrung der Kinder- und Jugendliteratur. Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übertragen.
Die Insel als zentrales Motiv
Für Simone Arnhold, Leiterin des Museums Helgoland, ist Mein Urgroßvater und ich ein besonderer Favorit. Sie schätzt vor allem die Vielschichtigkeit der Geschichte. Zugleich betont sie, wie stark das Thema Insel Krüss’ gesamtes Schaffen durchzieht. Helgoland erscheine bei ihm immer wieder als Schauplatz, als Erinnerung und als Ort innerer Zugehörigkeit. Obwohl er die Insel schon als junger Mensch verließ und später an vielen anderen Orten lebte, sei Helgoland für ihn eine geistige Heimat geblieben.
Auch Ulrike Schuldes, die den literarischen Nachlass im Auftrag der Erben betreut, unterstreicht diesen Einfluss. Das Leben auf der Insel habe Krüss tief geprägt. Gerade Mein Urgroßvater und ich sei stark autobiografisch gefärbt: Darin verarbeite er Erlebnisse aus seiner Kindheit, seine Familie und seine Herkunft.

Kindheit zwischen Meer und Sprache
James Krüss kam am 31. Mai 1926 als erstes Kind von Ludwig Krüss und dessen Frau Margareta zur Welt. Seine Mutter stammte aus einer Familie von Hummerfischern, auch sein Urgroßvater ging diesem Beruf nach.
Aufgewachsen ist Krüss mit dem Meer: Er schwamm in der Nordsee, fing Heringe und Hummer und schrieb schon früh Gedichte – und zwar auf Halunder, dem Helgoländer Friesisch. Deutsch lernte er erst in der Schule. Als Jugendlicher verließ er die Insel, kehrte später aber immer wieder zu Besuchen zurück.
Er studierte in Lunden, Ratzeburg und Braunschweig und legte in Lüneburg sein Lehrerexamen ab. Den Lehrerberuf schlug er jedoch nicht ein. Stattdessen gab er das Blatt Helgoland heraus, das die nach dem Krieg über Deutschland verstreuten Inselbewohner miteinander verbinden sollte, bis sie ab 1954 wieder auf ihre Heimatinsel zurückkehren konnten. Auch darin zeigt sich, wie bedeutend das Inselleben für ihn blieb.
Jahre in München und auf Gran Canaria
1949 zog Krüss nach München. Dort entstand auch eine Freundschaft mit Erich Kästner. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, schrieb Hörspiele und arbeitete zudem mit Udo Jürgens an Fernsehsendungen. Sein literarischer Nachlass wird heute in der Internationalen Jugendbibliothek aufbewahrt.
Ulrike Schuldes beschreibt Krüss als großen Menschenfreund. Aus Gesprächen mit Angehörigen – darunter Nichten, Neffen und einer Schwägerin – habe sie vor allem Herzlichkeit in Erinnerung. Dieses Bild passe zu dem Eindruck, den sein Werk vermittle.
1966 zog Krüss mit seinem Lebensgefährten nach Gran Canaria. Dort starb er am 2. August 1997. Seinem Wunsch entsprechend wurde er vor Helgoland im Meer bestattet.
Feiern zum Geburtstag auf Helgoland und in München
Auf Helgoland wird der 100. Geburtstag mit einem großen Fest begangen. Geplant ist eine „James-Krüss-Meile“ für Familien, die sich über die Insel vom Fähranleger bis zum Museum erstreckt. Für Simone Arnhold ist klar, dass ein Autor wie Krüss gerade auf seiner Heimatinsel besonders gewürdigt werden muss. Im Museumshof erinnern nachgebaute Hummerbuden und übergroße Bücher an den Dichter.
Rund um seinen Geburtstag gibt es dort traditionell ein Kinderfest, das in diesem Jahr deutlich ausgeweitet wurde. Verlage präsentieren Neuauflagen seiner Werke, außerdem wird eine Kinderoperversion von Der Leuchtturm auf den Hummerklippen auf Plattdeutsch aufgeführt. Hinzu kommen Mitmachangebote und weitere Programmpunkte für Familien.
Damit Besucher möglichst lange bleiben können, fahren die Schiffe an diesem Tag später zurück aufs Festland. Auch die Buchhandlungen auf der Insel verlängern ihre Öffnungszeiten.
Nicht nur Helgoland erinnert an James Krüss: Auch in München wird gefeiert. Die Internationale Jugendbibliothek eröffnet am 31. Mai den renovierten Krüss-Turm und lädt zu einem großen Familienfest in den Schlosshof ein. Anfang Juli folgt dort eine Fachtagung, die sich mit dem gesamten Werk des Autors beschäftigt. Auch in anderen Städten in Deutschland sind zum 100. Geburtstag Lesungen und Veranstaltungen angekündigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion