Ein beschädigter Sicherheitszaun hat am Flughafen Leipzig/Halle in der Nacht einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst – gut zwei Monate nach dem Fund einer mit Sprengstoff präparierten Drohne auf dem Gelände. Die Ermittler prüfen weiterhin verschiedene Möglichkeiten.
Ermittlungen laufen in alle Richtungen
Nach Angaben der Bundespolizei entdeckte der Flughafensicherheitsdienst die Beschädigung am Samstag kurz vor 23 Uhr bei einer routinemäßigen Streife. Der Vorfall wurde als sicherheitsrelevant eingestuft.
Inzwischen steht fest, dass ein Fahrzeug den Zaun durchbrochen hat. Darauf deuten laut Bundespolizei unter anderem Bremsspuren hin. Auch ein Unfall wird als mögliche Ursache nicht ausgeschlossen. Nach der Spurenlage sei das Fahrzeug einige Meter in den Sicherheitsbereich hineingefahren und anschließend wieder hinausgefahren. Das eigentliche Hineinfahren wurde demnach nicht direkt beobachtet.
Zunächst durchsuchten Einsatzkräfte in der Nacht vor allem besonders gefährdete Bereiche. Ab 8.30 Uhr wurde dann der gesamte Nordbereich des Flughafens mit zusätzlichen Kräften, einem Polizeihubschrauber und Drohnen abgesucht. Gefunden wurden bislang jedoch weder das mutmaßliche Fahrzeug noch unberechtigte Personen oder verdächtige Gegenstände.
Flughafen verweist auf Sicherheitsstandards
Der beschädigte Zaunabschnitt liegt nach Angaben von Flughafensprecher Uwe Schuhart an einer öffentlich zugänglichen Straße. Dort befindet sich auch eine Notfallzufahrt für externe Einsatzkräfte wie die Feuerwehr, etwa für größere Flughafenübungen. Beschädigt wurde laut Flughafen jedoch der Zaun selbst – nicht das Notfalltor.
Eine Kamera mit Videoaufzeichnung gibt es an diesem Abschnitt nach Angaben des Flughafens nicht. Vor Ort befinde sich lediglich eine Kamera für den operativen Flughafenbetrieb, die keine Aufnahmen speichert. Die Bundespolizei betont zugleich, dass der gesamte Flughafenbereich regelmäßig bestreift und überwacht werde.
Schuhart erklärte zudem, die Anforderungen an Zäune an Verkehrsflughäfen seien gesetzlich geregelt. Der betroffene Zaun erfülle die nationalen und internationalen Sicherheitsstandards und werde regelmäßig von den zuständigen Behörden überprüft. Auch der Flughafenverband ADV erklärte, die vorgesehenen Sicherheitsabläufe hätten gegriffen: Der Schaden sei schnell entdeckt worden, die zuständigen Stellen hätten umgehend reagiert.
Russische und ukrainische Antonows nicht unmittelbar betroffen
Auf dem Gelände des Flughafens stehen drei russische Antonow-Frachtflugzeuge, die seit den EU-Sanktionen gegen Russland im Jahr 2022 nicht mehr starten dürfen. Der beschädigte Zaunabschnitt und diese Maschinen liegen dem Flughafensprecher zufolge zwar beide im Nord-Bereich, aber nicht in unmittelbarer Nähe zueinander.
Außerdem sind am Flughafen Leipzig/Halle bis zu sechs ukrainische Antonow-Frachtflugzeuge stationiert. Diese befinden sich laut Schuhart im Süd-Bereich und damit deutlich weiter entfernt. Die ukrainische Fluggesellschaft Antonov Airlines hatte ihre Basis nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nach Leipzig/Halle verlegt, weil ein Flugbetrieb von ukrainischen Flughäfen aus nicht mehr möglich war.
Nordpiste zeitweise gesperrt
Wegen des Polizeieinsatzes wurde zunächst die Nordpiste gesperrt, während der Betrieb auf der Südpiste weiterlief. Nach Angaben der Bundespolizei wurde die Nordpiste nach Wiederherstellung der Luftsicherheit um 14 Uhr wieder freigegeben. Für den Passagier- und Frachtverkehr hatte der Flughafen zwischenzeitlich dennoch keine Einschränkungen gemeldet.
Zusammenhang mit Drohnenfund bleibt unklar
Ob der aktuelle Vorfall mit dem Sicherheitsfall von Anfang August zusammenhängt, ist weiterhin offen. Damals war am Flughafen neben ukrainischen Frachtflugzeugen eine mit Sprengstoff präparierte Drohne entdeckt worden. Die Bundesregierung machte Russland für den mutmaßlichen Angriff verantwortlich, Moskau wies die Vorwürfe zurück.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber