Tischtennis-EM: Annett Kaufmann verliert dramatisches Einzel-Finale und holt Silber
Annett Kaufmann hat bei den Europameisterschaften im slowenischen Ljubljana den Titel im Frauen-Einzel nur knapp verpasst. Die 20 Jahre alte Deutsche unterlag im Finale der Russin Elizabeth Abrahamian mit 3:4 Sätzen und wurde damit Vize-Europameisterin.
Nach dem Endspiel gratulierte Kaufmann ihrer guten Freundin Abrahamian zunächst herzlich, verbarg ihre Enttäuschung anschließend aber hinter einem Handtuch. Unter Tränen sagte sie, ihre Gegnerin habe in der entscheidenden Phase die besseren Bälle gespielt. Trotz des verpassten Titels wertete Kaufmann das Turnier als bislang größten Erfolg ihrer Karriere. Mit etwas Abstand, so meinte sie, werde sie sehr positiv darauf zurückblicken können.
Damit bleibt ihr der Einzug in die kleine Reihe deutscher Europameisterinnen im Einzel vorerst verwehrt. Bislang gelang das nur Agnes Simon (1962), Nicole Struse (1996) und Petrissa Solja (2021).
Starker Lauf bis ins Finale
Auf dem Weg ins Endspiel gewann Kaufmann zwei deutsche Duelle. Im Viertelfinale setzte sie sich deutlich mit 4:0 gegen Ying Han durch, im Halbfinale rang sie Nina Mittelham in einem engen Match mit 4:3 nieder.
Gerade diese Siege hatten für Kaufmann besonderen Wert. Bei der EM profitierte sie nach eigener Einschätzung auch davon, erfahrene und hochdekorierte Spielerinnen wie Ying Han zu schlagen. Das habe ihr zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Zudem betonte sie, inzwischen körperlich in der Lage zu sein, ein langes Turnier bis zum Ende auf hohem Niveau zu spielen.
Gute Bilanz für das deutsche Team
Auch insgesamt fiel die deutsche EM-Bilanz stark aus. Schon vor Kaufmanns Finaleinzug hatte das Team Gold im Mixed durch Nina Mittelham und Benedikt Duda gewonnen. Dazu kamen Bronze im Frauen-Doppel durch Mittelham/Kaufmann sowie Bronze im Herren-Einzel durch Dang Qiu.
Kaufmann als neues deutsches Gesicht im Tischtennis
Kaufmann gilt längst als eine der auffälligsten deutschen Spielerinnen. Spätestens bei den Olympischen Spielen 2024 rückte sie stärker in den Fokus, als sie das deutsche Team bis ins Halbfinale führte. Es folgten der Junioren-Weltmeistertitel 2024, der Gewinn der Team-EM 2025 und Bronze mit der deutschen Mannschaft bei der WM 2026.
Ihr offensiver Stil, ihre sichtbaren Emotionen und ihr selbstbewusstes Auftreten machen sie zu einer besonderen Figur im deutschen Tischtennis. Nach dem Karriereende von Timo Boll ist sie eine der wenigen Spielerinnen, die auch über ihre Sportart hinaus Aufmerksamkeit erzeugt.
Der schnelle sportliche Aufstieg verlangte ihr allerdings viel ab: Leben und Reisen als Vollprofi, intensives Training und immer wieder auch Niederlagen gegen erfahrenere Gegnerinnen. Umso wichtiger war für sie dieses EM-Turnier als weiterer Entwicklungsschritt.
Besonderes Finale gegen eine Freundin
Das Endspiel hatte für Kaufmann auch abseits des Sports eine besondere Note. Abrahamian und sie kennen sich seit Jugendzeiten und verstehen sich gut. Schon früh im Turnier hatte Kaufmann ihrer Gegnerin gesagt, dass sie sich im Finale wiedersehen könnten.
Abrahamian war bei dieser EM startberechtigt, weil das seit Juli aufgehobene Teilnahmeverbot für russische und belarussische Athletinnen und Athleten nicht mehr gilt. Wegen fehlender Punkte in der europäischen Rangliste musste die 23-Jährige allerdings bereits in der Qualifikation beginnen. Zuletzt hatte sie unter anderem die U19-EM sowie in diesem Jahr ein internationales WTT-Turnier in Tunis gewonnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber