Der Schlepper „Fortuna B“, eines der beiden Schiffe, die den zuvor mehrfach an der deutschen Küste gestrandeten Wal in die Nordsee gebracht hatten, ist am Sonntagabend in Cuxhaven angekommen. Nach Angaben eines dpa-Reporters legte das Schiff kurz vor Mitternacht im Hafen an. Auch die Polizei war dort im Einsatz.
Der Wal war bereits am Samstag rund 70 Kilometer vor Skagen, der nördlichsten Stadt Dänemarks, wieder ins Meer entlassen worden. Wie es dem Tier zu diesem Zeitpunkt ging und wie genau die Freilassung ablief, blieb zunächst unklar. Öffentlich zugängliche Fotos oder Videos dazu wurden nicht veröffentlicht.
Das zweite größere Schiff des Konvois, die „Robin Hood“, befand sich laut Daten des Ortungsdienstes Vesselfinder am späten Sonntagabend noch in der Nähe der dänischen Westküste.
Kritik an der Aktion und widersprüchliche Darstellungen
Aus den Reihen der beteiligten Initiative hatte es am Samstag Kritik gegeben. Einzelne Mitglieder warfen der Besatzung vor, bei der Freisetzung des Wals zu rabiat vorgegangen zu sein. Die Reederei des Begleitschiffs „Robin Hood“ stellte den Einsatz dagegen in einem Schreiben an die Deutsche Presse-Agentur als gelungen dar. Demnach sei die Freilassung in Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt.
Der etwa vier bis sechs Jahre alte Walbulle war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. In den rund 60 Tagen bis zu seinem Abtransport hielt er sich ungefähr zwei Drittel der Zeit in flachen Küstenbereichen auf, zuletzt vor der Insel Poel. Am Dienstag war das Tier auf einen Lastkahn gebracht worden, der anschließend an einen Schlepper gekoppelt in Richtung Nordsee aufbrach.
Zweifel an den Überlebenschancen
Schon die Bergung des Wals war gegen die Empfehlungen vieler Wissenschaftler, Fachstellen und Tierschutzorganisationen erfolgt. Greenpeace-Experte Thilo Maack bewertete die Überlebenschancen des Tieres als äußerst gering. Dass der Wal mehrfach gestrandet war, gilt als deutliches Zeichen dafür, dass er bereits bei seiner Ankunft an der deutschen Küste krank gewesen sein dürfte.
Zudem wird weiterhin angenommen, dass der Wal stark geschwächt ist. Ob man später tatsächlich von einer erfolgreichen Rettung sprechen kann, ist nach Einschätzung von Fachleuten derzeit offen. Laut Maack könnte nur ein Tracking des Tieres und damit die Offenlegung seines Aufenthaltsortes nachvollziehbar machen, ob die riskante Aktion für den Wal am Ende einen Nutzen hatte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion