Möglicherweise eigene Fessel-Schlüssel bei Häftlingsbefreiung in Essen
Nach der gewaltsamen Befreiung eines Gefangenen in einem Ärztehaus in Essen gehen die Behörden davon aus, dass die Täter womöglich eigene Schlüssel für die Hand- und Fußfesseln dabeihatten. Bei einer Sondersitzung in Düsseldorf erklärte ein Vertreter des NRW-Justizministeriums, die beiden Bediensteten der JVA Essen hätten ihre Schlüssel während des begleiteten Arztbesuchs bei sich getragen. Es habe ihnen nichts gefehlt, die Schlüssel seien weiterhin an ihnen gewesen. Daher liege die Vermutung nahe, dass die Angreifer selbst passende Schlüssel mitgebracht hätten.
Auch die Dienstwaffen der Justizbeamten seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht dauerhaft in die Hände der Befreier gelangt. In der Sitzung des Rechtsausschusses wurde mitgeteilt, dass keine Waffe verschwunden sei. Eine befinde sich bei der Polizei, die andere habe sich noch im Holster befunden.
Den bisherigen Ermittlungen zufolge griffen die Täter die beiden Mitarbeiter am Mittwoch im Flur des Ärztehauses an, überwältigten sie und legten ihnen Fesseln an. Die Beamten hatten den Untersuchungshäftling zu einem Termin in einer radiologischen Praxis begleitet. Dort sollte nach Angaben des Justizministeriums eine MRT-Untersuchung stattfinden. Laut Justizminister blieben beide Bediensteten körperlich unverletzt.
Wie das Ministerium weiter mitteilte, habe der Untersuchungshäftling erst am Vorabend von dem genauen Arzttermin erfahren. Auf welchem Weg die Befreier dennoch davon wussten, ist nun Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber