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Milliardenprogramm für Moore: Bund setzt auf Wiedervernässung

Pflanzen für Papier oder Kartons, Fleisch von Wasserbüffeln: auch mit Mooren lässt sich Geld verdienen. Damit das mehr Landwirte tun, gibt es nun Geld vom Bund. Das soll dem Klima helfen.

17.04.2026, 13:24 Uhr

Bundesumweltminister Carsten Schneider will die Wiedervernässung von Mooren mit staatlicher Hilfe vorantreiben und damit eine klimafreundliche Nutzung dieser Flächen attraktiver machen. In Berlin erklärte der SPD-Politiker, Moore könnten wieder zu jener natürlichen „Klimaanlage“ werden, die sie über Jahrtausende gewesen seien.

Nach Angaben des Umweltministeriums sind heute mehr als 90 Prozent der ursprünglich vorhandenen Moorböden in Deutschland entwässert. Nur noch etwa 100.000 Hektar gelten als nass. Durch das neue Förderprogramm soll diese Fläche um weitere 90.000 Hektar wachsen und damit nahezu verdoppelt werden.

Warum Moore für das Klima wichtig sind

Moore spielen eine zentrale Rolle beim Klimaschutz, weil sie große Mengen an Treibhausgasen binden können. Trocknen torfhaltige Böden aus, beginnt der Torf sich zu zersetzen und setzt dabei Kohlenstoff frei. Werden die Flächen wieder vernässt, kann dieser Prozess gestoppt oder sogar umgekehrt werden.

Umweltverbände begrüßten die Pläne deutlich. Der Nabu sprach von einem Meilenstein und betonte, dass nasse Moore in Zeiten von Dürre und Starkregen unverzichtbar seien. Sie hielten Wasser in der Landschaft, stärkten die Ernten und trügen zur Stabilisierung der Trinkwasserversorgung bei. Zugleich forderte der Verband schnellere Genehmigungen, stärkere Anreize zur Wasserrückhaltung und einen festen Platz für den Moorschutz in der Raumplanung.

Nasse Moore als Helfer gegen die Klimakrise

Auch der Deutsche Naturschutzring lobte das Vorhaben und bezeichnete es als möglichen Wendepunkt. Die Wiedervernässung sei einer der effektivsten Wege, um Emissionen aus der Landnutzung zu senken. Während trockengelegte Moorböden in Deutschland große Mengen CO₂ freisetzten, könnten nasse Moore als natürliche Verbündete im Kampf gegen die Erderwärmung dienen.

Bislang seien über Naturschutzprogramme bereits rund 1.600 Hektar wiedervernässt worden, sagte Schneider. Das reiche jedoch nicht aus. Denn mehr als 80 Prozent der entwässerten Moorflächen würden derzeit land- oder forstwirtschaftlich genutzt.

Folgen der Entwässerung

Früher wurden Moore trockengelegt, um Äcker und Wiesen zu gewinnen oder Torf als Brennstoff abzubauen. Heute seien die negativen Folgen bekannt, so Schneider. Landwirtschaft auf trockenen Moorböden werde mit der Zeit immer schwieriger und irgendwann nicht mehr möglich. Gleichzeitig gehe Wasser in den Regionen verloren, der Grundwasserspiegel sinke, Wälder litten unter Trockenheit und der im Boden gespeicherte Kohlenstoff gelange in die Atmosphäre.

Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der Fläche Deutschlands ausmachen, verursachen sie laut Ministerium rund 7 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen – also mehr als 50 Millionen Tonnen.

Was der Bund fördern will

Schneider sprach von einer historischen Kehrtwende im Verhältnis von Mensch und Natur. Ziel sei es, eine schonende Bewirtschaftung wirtschaftlich interessant zu machen. Deutschland nehme mit diesem Ansatz in Europa eine Vorreiterrolle ein.

Nach seinen Worten soll das Programm den Moorregionen und besonders land- und forstwirtschaftlichen Betrieben neue Perspektiven eröffnen. Durch sogenannte nasse Landwirtschaft könne Wasser in der Fläche gehalten werden, ohne die Nutzung vollständig aufzugeben. Rund 7 Prozent der deutschen Agrarflächen liegen auf entwässerten Moorböden.

Freiwilligkeit und neue Einkommensmöglichkeiten

Schneider stellte klar, dass Landwirte nicht verpflichtet würden, ihre Flächen nass zu bewirtschaften. Der Erfolg der Förderung hänge auch davon ab, dass es langfristig tragfähige wirtschaftliche Modelle gebe, mahnte der Deutsche Bauernverband.

Landwirtschaftsminister Alois Rainer, der an dem Programm mitgewirkt hat, sieht darin große Chancen für Landwirtschaft und Forst. Die Wiedervernässung könne Klimaschutz mit neuen Geschäftsmodellen verbinden – etwa durch Schilfanbau als Baustoff, Fleisch aus Wasserbüffelhaltung oder innovative Ansätze wie Photovoltaik auf Moorstandorten.

Wofür Geld bereitsteht

Gefördert werden sollen die Wiedervernässung selbst, der Ausgleich von Wertverlusten bei Eigentum und Nutzung sowie der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten mit Produkten aus Moorpflanzen. Das Ministerium nennt etwa Fasern für Papier, Karton oder Baumaterialien als mögliche Einsatzfelder.

Anträge stellen können Eigentümer, Bewirtschafter und Verbände. Zuschüsse von bis zu 100 Prozent sind möglich. Die Bundesregierung stellt dafür bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Die EU-Kommission hat das Förderprogramm bereits genehmigt. Neben einer moorschonenden Nutzung kann auch die Stilllegung von Flächen unterstützt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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