Hessen

Nach 37 Jahren: Pfarrer schmeißt hin – wegen einer Frau

37 Jahre Priester – jetzt beendet er alles für seine große Liebe. Wie hart reagiert Bischof Bätzing?

24.08.2026, 10:02 Uhr

Pfarrer aus dem Taunus legt wegen geplanter Heirat sein Amt nieder

Der katholische Pfarrer Andreas Unfried hat nach 37 Jahren im Dienst auf seine Pfarrei im hessischen Taunus verzichtet. Grund ist eine bisher nicht öffentlich bekannte Beziehung zu einer Frau. Auf der Internetseite der Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach erklärte der 63-Jährige, dass er heiraten werde und deshalb dem Limburger Bischof Georg Bätzing seinen Verzicht mitgeteilt habe.

Unfried schrieb, die Liebe rufe ihn nun zu der Frau, mit der er schon lange sein Leben teile. Gemeinsam wollten sie einen Weg finden, ihren Glauben und ihre Berufung künftig zusammen zu leben. Zugleich machte er deutlich, dass er seine Prioritäten neu ordnen wolle, weil seine Lebenspartnerin inzwischen im Ruhestand sei. „Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug“, bilanzierte er.

Nach eigenen Worten war ihm die Verpflichtung zum Zölibat stets bewusst. Er habe versucht, entsprechend zu leben, müsse aber anerkennen, dass er dieses Charisma nicht wirklich in sich trage.

Bistum spricht von überraschender Entscheidung

Wie Bistumssprecher Stephan Schnelle der Deutschen Presse-Agentur sagte, wurde Unfried von Bischof Bätzing umgehend suspendiert. Das Bistum respektiere die persönliche Entscheidung, danke ihm für sein jahrzehntelanges Wirken und wünsche ihm alles Gute. Von der geheim gehaltenen Beziehung habe der Bischof nichts gewusst. Das sei „sehr überraschend für alle“ gekommen, sagte Schnelle.

Der Sprecher betonte, dass es solche Fälle in der katholischen Kirche immer wieder gebe. Nach so vielen Jahren im Priesteramt sei dieser Schritt jedoch ungewöhnlich. Katholische Pfarrer sind nach den Regeln der Kirche an den Zölibat gebunden, also an Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit.

Finanzielle Einbußen und Antrag im Vatikan

Mit seiner Entscheidung muss Unfried laut dem Bistum auch finanzielle Nachteile in Kauf nehmen. Nach Angaben des Sprechers wechselt er von einer kirchlichen Pension in eine normale gesetzliche Rente. Katholische Pfarrer gehen demnach bei ausreichender Gesundheit in der Regel erst mit 72 Jahren in den Ruhestand.

Unfried will außerdem selbst beim Vatikan seine sogenannte Laisierung beantragen. Bis auf Weiteres soll ein anderer Priester im Ruhestand die Pfarrei übernehmen; die Stelle werde im Bistum Limburg ausgeschrieben.

Abschied ohne Groll

In seiner Erklärung betonte Unfried, er habe mit ganzem Herzen als Seelsorger, Pfarrer und Funktionsträger gewirkt. Seiner Kirche sei er dankbar, weil sie sein Talent erkannt und gefördert habe. Er scheide ohne Bitterkeit aus dem Amt: Ohne die katholische Kirche wäre er nicht der, der er heute sei.

Auch überregional berichteten unter anderem die „Bild“ und weitere Medien über den Fall. Dem Hessischen Rundfunk zufolge zeigten viele Gläubige vor Ort Verständnis für die Entscheidung. Eine Frau sagte demnach, er habe das Recht, sein Leben so zu gestalten, wie es für ihn sinnvoll sei. Eine andere äußerte den Wunsch, das Zölibat wäre längst abgeschafft, weil die Kirche sonst wichtige und wertvolle Menschen verliere.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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