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Darum bekommt Wunnicke den Büchner-Preis

Sie liebt das radikale Kürzen – und genau das brachte ihr jetzt einen der wichtigsten Literaturpreise des Landes ein.

24.10.2026, 18:41 Uhr

Christine Wunnicke erhält Georg-Büchner-Preis 2026

Die Schriftstellerin Christine Wunnicke ist in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Bei der feierlichen Verleihung im Staatstheater zeigte sie sich bewegt: Sie danke herzlich für diese besondere Ehrung und sei noch immer ganz verblüfft, sagte sie am Abend. Der Preis wird seit 1951 vergeben, ist mit 50.000 Euro dotiert und zählt zu den bedeutendsten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Kürzen als Lieblingsdisziplin

In ihrer Dankesrede erklärte Wunnicke, dass sie am Schreiben vor allem eines liebe: das Streichen. Darin sei sie nach eigener Einschätzung auch besonders gut. Deshalb seien ihre Bücher im Laufe der Zeit immer knapper geworden. Auch bei der Arbeit an ihrer Rede habe sie zunächst zu kürzen begonnen, bis am Ende nur noch ein einziger Satz übrig geblieben sei. Schließlich habe sie beschlossen, stattdessen lieber Büchner zu lesen und mit dem Zug anzureisen. Lesen könne sie besonders gut im öffentlichen Nahverkehr, weil sie sich dort hervorragend konzentrieren könne. Zudem sprach sie über ihre Beobachtungen von Menschen und Umgebung und bemerkte mit ironischem Unterton, es breite sich ein erschreckender Müßiggang aus. Ihr eigener Anspruch sei es, die Welt aufmerksam anzusehen und sich das Staunen zu bewahren.

Jury lobt Sprachwitz und historische Tiefenschärfe

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte Wunnickes Werk als erzählerisch immer wieder überraschend und zugleich souverän gestaltet. Nach Ansicht der Jury macht ihre literarische Kunst gerade im scheinbar Historischen das Fiktionale sichtbar und eröffnet damit einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte. Besonders hervorgehoben wurden der feine Sprachwitz ihrer Romane, der Verzicht auf Selbstbespiegelung sowie die seltene Verbindung von unterhaltsamem Erzählen und anspruchsvoller Reflexion.

Bedeutende Namen unter den Preisträgern

Zu den früheren Trägern des Georg-Büchner-Preises zählen unter anderem Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967), zuletzt auch Oswald Egger und Ursula Krechel. Der Preis erinnert an den Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner, den Autor von Woyzeck. Büchner wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

Auch weitere Auszeichnungen vergeben

Neben Wunnicke wurden bei dem Festakt noch zwei weitere Persönlichkeiten geehrt: Die Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen erhielt den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa, der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Beide Auszeichnungen sind mit jeweils 20.000 Euro verbunden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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