Hessen

200 Kilometer Extrem: Schwimmerin kämpft sich durch

200 Kilometer, vier Tage: Warum Nathalie Pohl jetzt von Frankfurt nach Köln schwimmt, könnte für viele Kinder wichtig werden.

11.08.2026, 07:20 Uhr

Die Extremschwimmerin Nathalie Pohl hat am frühen Dienstagmorgen ihre rund 200 Kilometer lange Fluss-Challenge begonnen. Kurz nach 6.00 Uhr sprang die 31-Jährige aus Frankfurt in den Main. In vier Tagen will die gebürtige Marburgerin über Main und Rhein bis nach Köln schwimmen. Ziel ist am Freitag das Deutsche Sport & Olympia Museum.

Angst habe sie vor der Tour nicht, sagte Pohl kurz vor dem Start, wohl aber Respekt. Man wisse nie genau, was einen auf einer solchen Strecke erwarte. Trotzdem sei für sie klar, dass ohne Risiko auch kein Erfolg möglich sei.

Sicheres Schwimmen als Botschaft

Mit der Aktion will Pohl auf die Bedeutung von sicherem Schwimmen aufmerksam machen. Gemeinsam mit dem Hilfsverein der Deutschen Vermögensberatung sammelt sie Spenden für Schwimmprojekte und die Schwimmausbildung von Kindern.

Hintergrund sind aktuelle Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft: Bis einschließlich Juli kamen demnach in diesem Jahr mindestens 261 Menschen in deutschen Gewässern ums Leben – 15 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein zwischen Anfang Mai und Ende Juli wurden 189 tödliche Badeunfälle gezählt, so viele wie in diesem Zeitraum seit 2019 nicht mehr. Pohl sprach deshalb von einem Jahr mit besonders vielen Badetoten und betonte, wie sehr Schwimmen ihr eigenes Leben geprägt habe.

Sondergenehmigung und Sicherheitskonzept

Ihre Schwimmreise gilt als anspruchsvoll und riskant. DLRG, Wasserwacht und Wasserschutzpolizei warnen grundsätzlich vor dem Schwimmen in großen Flüssen. Für das Projekt erhielt Pohl eine Sondergenehmigung. Nach Angaben ihres Teams begleitet ein eng abgestimmtes Sicherheitskonzept die Tour, darunter insgesamt sieben Boote.

Als zusätzliche Herausforderung gilt weiter das Niedrigwasser im Rhein. An vielen Pegeln wurden zuletzt außergewöhnlich niedrige Wasserstände gemessen, was auch die Schifffahrt belastet. Für Pohl bedeutet das vor allem weniger Strömung und damit ein möglicherweise langsameres Vorankommen. Größere Sorgen macht sie sich nach eigenen Angaben dennoch nicht, weil aus ihrer Sicht genug Wasser vorhanden ist.

Problematisch könnte allerdings die Wasserqualität werden. Bei geringerem Wasserstand können sich unter anderem vermehrt Algen bilden. Pohl hofft daher, die Strecke gesundheitlich gut zu überstehen.

Wechsel im Team auf der Strecke

Geschwommen wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Pohl ist dabei nicht durchgehend allein im Wasser: Sie schwimmt jeweils zwei Stunden am Stück, danach übernehmen andere Freiwasserschwimmerinnen und Freiwasserschwimmer in einstündigen Schichten. Für sie ist dieses Prinzip auch mental wichtig, weil ein Team bei einer solchen Herausforderung stärker sei als eine Einzelperson.

Zu den Begleiterinnen gehört Maria Paulig. Die 31-Jährige kennt sich als Paratriathlon-Guide mit Freiwasserschwimmen und langen Belastungen aus. Ihr erster Einsatz war für Dienstagmittag geplant. Sie freue sich nicht nur auf die sportliche Aufgabe, sondern auch darauf, gemeinsam mit anderen ein Projekt für den guten Zweck zu unterstützen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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