Hantavirus-Schiff „Hondius“: Vier Deutsche nach Landung in Eindhoven per Sonderisoliertransport auf dem Weg nach Frankfurt
Nach der Ankunft des vom Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ auf Teneriffa läuft die Evakuierung der Menschen an Bord weiter unter strengen Schutzmaßnahmen. Vier deutsche Passagiere, die zunächst mit einem Evakuierungsflug in die Niederlande gebracht worden waren, sind inzwischen per Sonderisoliertransport auf dem Weg nach Frankfurt.
Vier Deutsche am Abend in Eindhoven gelandet
Die Maschine aus Teneriffa mit insgesamt 26 Passagieren und Crewmitgliedern der „Hondius“ landete am Abend auf dem Militärflughafen Eindhoven. An Bord befanden sich nach spanischen Angaben neben Niederländern auch Deutsche, Belgier und Griechen. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums waren alle symptomfrei.
Am Flughafen warteten bereits Spezialisten und Einsatzkräfte auf die Evakuierten, um sie medizinisch zu untersuchen. Die niederländischen Passagiere wurden anschließend nach Hause gebracht und müssen sich dort sechs Wochen in häusliche Quarantäne begeben.
Sonderisoliertransport nach Frankfurt bereits gestartet
Die vier deutschen Kreuzfahrtpassagiere werden nach Frankfurt gebracht. Mehrere Rettungswagen brachen am späten Abend vom militärischen Teil des Flughafens Eindhoven in Richtung Deutschland auf. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert; ein weiterer Rettungswagen kam aus Dortmund.
Der sogenannte Sonderisoliertransport bringt die Betroffenen zunächst nach Frankfurt. Von dort aus sollen sie anschließend zur Quarantäne in ihre jeweiligen Bundesländer weitergebracht werden. Über die konkreten Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter. Nach bisherigem Stand gelten die deutschen Passagiere als symptomfrei.
Ein Deutscher zur Charité, eine Kontaktperson nach Baden-Württemberg
Einer der deutschen Passagiere soll nach Angaben der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit später in die Berliner Charité gebracht werden. Die Person zeigt demnach bislang keine Symptome und kommt aus der Region Berlin-Brandenburg.
Außerdem soll eine symptomfreie deutsche Kontaktperson von der „Hondius“ in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit.
Erste Evakuierungsflüge bereits gestartet
Noch vor dem Abflug der Maschine nach Eindhoven waren im Rahmen der Evakuierungsaktion auf Teneriffa bereits drei Flugzeuge mit Spaniern, Franzosen und Kanadiern gestartet. Weitere Maschinen aus Großbritannien, Irland, der Türkei und den USA folgten. Für Montag sind nach Behördenangaben noch eine weitere niederländische Maschine sowie ein Flugzeug aus Australien vorgesehen.
Die spanischen Staatsbürger wurden zuvor in Schutzkleidung zum Flughafen Tenerife Sur gebracht und nach Madrid ausgeflogen. Dort sollen sie gemeinsam mit einem WHO-Experten in einem Militärkrankenhaus unter Quarantäne gestellt werden.
Ärzte untersuchten zuvor alle Menschen an Bord
Bevor die Ausschiffung begann, gingen medizinische Teams auf das Schiff, um eine epidemiologische Untersuchung vorzunehmen. Erst danach startete die schrittweise Evakuierung.
Nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García waren zuletzt weiterhin alle Passagiere und Besatzungsmitglieder ohne Krankheitssymptome. Auf der „Hondius“ befanden sich demnach etwa 140 bis 150 Passagiere, Crewmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern.
Nur leichtes Handgepäck erlaubt
Die Sicherheitsvorkehrungen bleiben hoch. Die Passagiere werden in kleinen Gruppen von höchstens fünf Personen mit Booten von Bord gebracht. Sie müssen FFP2-Masken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen. Größeres Gepäck bleibt zunächst an Bord.
Auf Bildern war zu sehen, wie Evakuierte auf dem Flughafen von Einsatzkräften in Schutzkleidung empfangen, mit Desinfektionsmittel besprüht und mit Informationsblättern versorgt wurden, bevor sie an Bord ihrer Flugzeuge gingen.
Zahl deutscher Staatsangehöriger an Bord
Das Bundesgesundheitsministerium hatte von einer mittleren einstelligen Zahl deutscher Staatsangehöriger an Bord gesprochen. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide befinden sich insgesamt sechs Deutsche auf der „Hondius“.
Für den Fall einer gesundheitlichen Verschlechterung während des Transports war nach früheren dpa-Informationen ein Ausweichplan vorgesehen: Ein betroffener Patient würde dann in die Uniklinik Düsseldorf gebracht.
Dort befindet sich bereits eine 65 Jahre alte Frau, die ebenfalls auf der „Hondius“ war. Nach Angaben der Behörden hatte sie an Bord engen Kontakt zu einer Patientin, die später mit einer Hantavirus-Infektion starb.
Quarantäne in Deutschland soll dezentral organisiert werden
Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer dürften viele Betroffene in Quarantäne müssen, da wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen Entwarnung möglich ist.
Das Robert Koch-Institut (RKI) erklärte, dass die Quarantäne für die deutschen Betroffenen dezentral erfolgen soll. Zuständig seien die örtlichen Gesundheitsämter. Über die konkreten Details werde jeweils im Einzelfall entschieden.
Das RKI empfiehlt für Kontaktpersonen und Rückkehrer eine Quarantäne von sechs Wochen nach der letzten möglichen Ansteckung. Eine häusliche Isolation ist grundsätzlich möglich; empfohlen werden dabei ein eigener Raum und möglichst ein eigenes Bad. Symptome wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen sollen umgehend dem Gesundheitsamt gemeldet werden.
WHO: „Das ist nicht ein neues Covid“
Zur Überwachung der komplizierten Aktion waren Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus nach Teneriffa gereist.
Tedros betonte erneut, die Lage sei nicht mit dem Coronavirus vergleichbar. Wörtlich sagte er:
„Das ist nicht ein neues Covid.“
Nach Einschätzung der WHO ist das Risiko für die Bevölkerung auf Teneriffa gering, auch weil an Bord kein neuer Verdachtsfall aufgetreten ist.
Einfahrt in den Hafen schließlich doch erlaubt
Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen ankern. Später erteilte die spanische Handelsmarine jedoch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen von Granadilla.
Die „Hondius“ lief schließlich am frühen Sonntagvormittag ein. Sobald alle Menschen von Bord sind, soll sie mit einem Teil der Besatzung sofort Richtung Niederlande weiterfahren. Das Schiff steuert nach aktuellen Angaben Rotterdam an.
Dort sollen sowohl die Desinfektion des Schiffes als auch die weiteren Schritte erfolgen. Bis nach Rotterdam ist die „Hondius“ nach Angaben der Behörden noch rund fünf Tage unterwegs. Wann genau sie dort ankommt, ist noch unklar.
Der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen wird nach Angaben der Behörden nicht auf Teneriffa ausgeschifft, sondern erst nach der Ankunft in Rotterdam vom Schiff gebracht.
Sechs bestätigte Fälle, drei Todesopfer
Nach den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Infektionen und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Betroffenen sind gestorben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland.
Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging. Das Paar könnte sich noch vor der Einschiffung in Argentinien an Land infiziert haben.
Zur zeitlichen Abfolge heißt es: Zehn Tage nach Reisebeginn starb ein Niederländer an Bord. Seine Frau verließ das Schiff später bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Die deutsche Passagierin starb nach Angaben von Oceanwide am 3. Mai.
Weltweite Suche nach möglichen Verdachtsfällen
Da bei Zwischenstopps insgesamt mehr als 30 Passagiere und Crewmitglieder das Schiff verlassen haben, wird inzwischen weltweit nach möglichen Verdachtsfällen gesucht.
Sorge auf Teneriffa wegen Erinnerungen an Corona
Die geplante Ankunft des Schiffes hatte auf den Kanaren erhebliche Unruhe ausgelöst. Viele Menschen fühlten sich an die Corona-Pandemie erinnert und äußerten Sorgen vor einer möglichen Ansteckung mit dem potenziell tödlichen Virus.
Die WHO und auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC betonen jedoch, dass die Lage nicht mit dem Beginn der Corona-Pandemie vergleichbar sei. Selbst wenn es durch evakuierte Passagiere zu einzelnen Übertragungen des Andesvirus käme, gilt das Virus laut ECDC nicht als leicht weiter übertragbar. Ein größerer Ausbruch in der Allgemeinbevölkerung sei daher unwahrscheinlich. Das Risiko für die Bevölkerung in der EU wird als sehr gering eingeschätzt.
Spanien übernahm wegen starker Gesundheitsversorgung
Dass die Passagiere nun auf Teneriffa an Land gehen, geht auf eine Bitte der WHO an Spanien zurück. Die Kanaren seien auf der Route des Schiffes das erste mögliche Ziel mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung gewesen.
Kap Verde, wo die „Hondius“ zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere wegen unzureichender Versorgungsmöglichkeiten nicht aufnehmen.
Reise begann am 1. April in Ushuaia
Für die Menschen an Bord endet damit voraussichtlich eine rund 40 Tage dauernde Reise, die am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begann und später eine dramatische Wendung nahm.
Seltene Übertragung von Mensch zu Mensch
Hantaviren werden normalerweise durch infizierte Nagetiere wie Mäuse oder Ratten übertragen. Im aktuellen Fall geht es um die südamerikanische Andes-Variante, bei der in einzelnen Fällen auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert wurde. Laut aktuellem Kenntnisstand kann das Virus bei engem Kontakt weitergegeben werden, gilt aber weiterhin nicht als leicht übertragbar.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion