Nach dem spektakulären 4:5 des FC Bayern bei Titelverteidiger Paris Saint-Germain im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals sorgte in den Katakomben des Prinzenparks eine lockere Szene für Aufsehen. PSG-Coach Luis Enrique begrüßte den gesperrten Bayern-Trainer Vincent Kompany lachend mit den Worten, er habe das Spiel ja von der Tribüne aus verfolgt – ob es ihm gefallen habe. Kompany antwortete trocken: „Nein!“ Beide mussten lachen, danach setzte Enrique sein TV-Interview fort.
Was danach im Teamhotel folgte, wirkte fast ebenso außergewöhnlich wie das Spiel selbst: Als die Münchner nach Mitternacht den Bankettsaal betraten, wurden die Verlierer beklatscht und gefeiert wie Sieger. Das passte zu einem Abend, der für Bayern trotz der Niederlage auch Mutmacher bereithielt. Nach dem zwischenzeitlichen 2:5 schien die Mannschaft bereits vor dem K.o. zu stehen, kämpfte sich aber noch auf 4:5 heran.
Vorstandschef Jan-Christian Dreesen sprach später von einer Lage, in der man eigentlich schon „tot“ sei. Umso bemerkenswerter sei gewesen, wie die Mannschaft noch einmal zurückgekommen sei. Genau dieses Gefühl prägte auch die Kabine.
Kimmich berichtet von Kabinenschwur
Joshua Kimmich sprach trotz der Niederlage von einem positiven Gefühl. In der Kabine sei sofort der Glaube an das Rückspiel spürbar gewesen. Nach seinen Worten ist jeder im Team überzeugt davon, Paris in München schlagen zu können. Die Ausgangslage sei schwierig, aber längst nicht aussichtslos.
Das Rückspiel steigt am kommenden Mittwoch um 21.00 Uhr in der Allianz Arena und wird von DAZN übertragen. Dann darf Kompany nach seiner Sperre wieder an der Seitenlinie stehen. In Paris hatte sein Assistent Aaron Danks den Chefposten an der Außenlinie übernommen.
Kompany litt auf der Tribüne – und genoss nur das Comeback
Auf der Pressekonferenz machte Kompany deutlich, wie unangenehm die Rolle hoch oben unter dem Stadiondach für ihn war. Diese Perspektive habe er nicht genossen. Besonders schwer sei der Moment nach dem 2:5 gewesen, als PSG bereits zu jubeln begonnen habe. Wie seine Mannschaft dann noch einmal zurückkam, habe er oben allerdings doch ein Stück weit genießen können.
Der Bayern-Coach stellte zugleich klar, dass das Ziel unverändert ist: der Einzug ins Finale am 30. Mai in Budapest. Dort würde der Sieger auf den FC Arsenal oder Atlético Madrid treffen.
Enrique schwärmt vom „besten Spiel“ seiner Trainerkarriere
Auch Luis Enrique war nach dem wilden Halbfinal-Abend begeistert. Der Spanier sprach vom besten Spiel, das er als Trainer bislang erlebt habe. Zwar habe PSG den Sieg verdient, sagte er – bei diesem verrückten Verlauf wäre aus seiner Sicht aber auch ein Unentschieden oder sogar eine Niederlage irgendwie erklärbar gewesen.
Die internationale Presse überschlug sich entsprechend. In Spanien war von einer „Ode an den Fußball“ die Rede, in England von einem „Wow“-Spiel voller Wahnsinn, und auch in Italien wurde die Partie als magisches Spektakel gewürdigt.
Hurra-Fußball soll auch in München bleiben
Für Kompany ist klar, dass seine Mannschaft im Rückspiel nicht plötzlich ihren Stil verändern wird. Auf die Frage nach möglichen Anpassungen sagte er sinngemäß, Fußball sei fast wie Religion – darüber könne man immer diskutieren. Grundsätzlich rechne er aber nicht damit, dass PSG oder Bayern ihre mutige Ausrichtung aufgeben.
Auch Manuel Neuer sieht die Lage trotz der Niederlage klar: Bayern liegt nur ein Tor zurück und weiß, was zu tun ist. Für den Torhüter war es ein Abend mit außergewöhnlich viel Drama. In seinem 160. Spiel in der Königsklasse kassierte der 40-Jährige erstmals fünf Gegentore. Kimmich räumte ein, dass nach dem 2:5 kurz das Gefühl aufgekommen sei, komplett unterzugehen – die Reaktion der Mannschaft sei dann jedoch stark gewesen.
Kompany und Kane fordern maximale Wucht in der Allianz Arena
Schon direkt nach dem Spiel richtete Kompany einen eindringlichen Appell an die Bayern-Fans. Für das Rückspiel brauche es in der Allianz Arena dasselbe Feuer wie beim furiosen 4:3 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid. Seine Bitte fiel ungewöhnlich deutlich aus: Wer zwar ein Ticket habe, sich am Spieltag aber nicht fit fühle, solle lieber zu Hause bleiben und die Karte an jemanden weitergeben, der die Wucht eines voll besetzten Stadions mit 75.000 Zuschauern mittragen könne.
Auch Harry Kane schlug in dieselbe Kerbe. Seine Botschaft: Jetzt komme PSG nach München – und Bayern müsse die Allianz Arena wieder zur Festung machen. Kompany verwies zudem auf die vier Auswärtstore in Paris als Beleg dafür, dass seine Mannschaft jederzeit treffen kann.
Allerdings ist auch klar: PSG hat bereits bewiesen, dass es in München zu Großem fähig ist. Im Champions-League-Finale 2025 gewann der französische Spitzenclub dort mit 5:0 gegen Inter Mailand. Für die Bayern ist die Aufgabe also gewaltig – aber nach diesem ersten Halbfinale glaubt in München erst recht niemand, dass schon etwas entschieden ist.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion