Königin Silvia wirbt in Berlin für besseren Schutz von Kindern
Schwedens Königin Silvia hat bei einer Fachtagung in Deutschland dazu aufgerufen, Kinder wirksamer vor Gewalt zu schützen und Betroffenen schneller Hilfe zukommen zu lassen. In Berlin nahm die 82-Jährige an einer Veranstaltung ihrer World Childhood Foundation teil und betonte, sie begegne seit Jahrzehnten Kindern, deren Rechte verletzt worden seien – häufig im Verborgenen und oft über lange Zeit unbemerkt.
In einer Rede auf Deutsch sagte Silvia, diese Erfahrungen hätten sie tief geprägt. Kinderschutz sei kein Nebenthema, sondern ein Gradmesser dafür, in welchem Zustand sich eine Gesellschaft und ihre rechtsstaatlichen Strukturen befänden.
Nach Angaben von Astrid Helling-Bakki, Vorständin der Stiftung in Deutschland, ist die Zahl nicht erkannter Fälle enorm. Ihrer Einschätzung nach bleiben neun von zehn Fällen unentdeckt. Zu den Gewalterfahrungen zählten nicht nur körperliche Angriffe und sexualisierte Gewalt, sondern auch seelischer Missbrauch.
Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, wie sich der Kinderschutz in der Praxis verbessern lässt. Diskutiert wurde unter anderem, wie trotz vieler einzelner Zuständigkeiten sichergestellt werden kann, dass etwa eine Trainerin im Sportverein oder ein Klassenlehrer weiß, wie bei Verdachtsfällen gehandelt werden sollte.
In Heidelberg geboren, in Schweden Königin
Silvia wurde in Heidelberg geboren, verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit im brasilianischen São Paulo und legte in Düsseldorf ihr Abitur ab. Seit der Heirat mit König Carl Gustaf im Jahr 1976 ist sie Königin von Schweden. Die World Childhood Foundation rief sie 1999 ins Leben.

Nach ihren Worten orientierte sich der Runde Tisch an den Fragen, welche Maßnahmen wirksam sind, was sie kosten und wie mit begrenzten Mitteln möglichst viel erreicht werden kann. Solche Überlegungen dürften jedoch nicht nur aus der kurzfristigen Perspektive eines Haushaltsjahres oder einer Legislaturperiode betrachtet werden. Nötig sei vielmehr eine dauerhaft tragfähige Grundlage. Kindern schulde man nicht nur Mitgefühl, sondern entschlossenes und verantwortungsbewusstes Handeln, sagte die Königin.
Auch Elke Büdenbender, die Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, mahnte, sexueller Missbrauch an Kindern sei kein Randproblem. Es dürfe nicht sein, dass Kinder selbst in ihren Familien keinen sicheren und geborgenen Ort fänden. Das Thema müsse über Ressortgrenzen hinweg angegangen werden, zudem dürften Betroffene nicht stigmatisiert werden.
Büdenbender verwies außerdem auf die Risiken durch Internet und soziale Medien. Ähnlich äußerte sich Kerstin Claus, die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Digitale Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gehöre inzwischen für viele zum belastenden Alltag.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion