Bayern

Vietnam-Behörde: Boeing hatte heikles Tempo-Problem

Schon beim Anrollen gab es Probleme: Warum der Pilot in München trotzdem startete, hätte fast in einer Katastrophe geendet.

18.08.2026, 14:46 Uhr

Berichte: Technisches Problem wohl Auslöser für Beinahe-Zwischenfall in München

Nach dem Beinahe-Unglück einer Vietnam-Airlines-Maschine am Flughafen München deuten Berichte staatsnaher vietnamesischer Medien auf ein technisches Problem bereits während des Starts hin. Die regierungsnahen Zeitungen Tuoi Tre und Thanh Nien berufen sich dabei auf erste Erkenntnisse der vietnamesischen Luftfahrtbehörde, die wiederum auf Schilderungen der Piloten basieren. Die Behörde selbst wollte den Inhalt der Medienberichte demnach zunächst nicht bestätigen.

Den Berichten zufolge bemerkte die Besatzung der Boeing 787-9 schon beim Beschleunigen auf der Startbahn Auffälligkeiten. Etwa auf halber Strecke habe das Flugzeug für rund zwei Sekunden keine weitere Geschwindigkeit aufgenommen. Anschließend beschleunigte die Maschine zunächst bis zur erforderlichen Startgeschwindigkeit, verlor danach jedoch wieder Tempo.

Weil laut den Berichten nicht mehr genügend Bahn übrig war, um den Start sicher abzubrechen, entschied sich der Pilot, den Vorgang fortzusetzen. Er brachte die Schubhebel der Triebwerke auf maximale Leistung und zog die Nase des Flugzeugs nach oben.

Warnmeldungen führten zur Rückkehr

Kurz nach dem Abheben meldete das Flugzeug demnach Warnungen, wonach das Heck die Startbahn berührt habe – ein sogenannter Tailstrike. Zudem wurde angezeigt, dass vier von acht Reifen Luft verloren. Eine erste Kontrolle ergab später, dass tatsächlich vier Reifen geplatzt waren: drei auf der linken und einer auf der rechten Seite des Fahrwerks.

Die Crew informierte daraufhin die Flugsicherung und entschied sich, zur technischen Überprüfung nach München zurückzukehren.

Vor der Landung ließ die Maschine nach Angaben einer Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) Kerosin ab, um das Gewicht für eine sichere Landung zu verringern. Außerdem flog der Pilot zwei tiefe Schleifen über dem Flughafen, damit der Zustand des Fahrwerks von der Flugsicherung beurteilt werden konnte. Nachdem dabei keine Auffälligkeiten festgestellt worden waren, setzte die Boeing zur Landung an.

In sozialen Netzwerken verbreitete Aufnahmen zeigten, wie Flug VN34 am Samstag beim Start über das Bahnende hinausschoss und mit einer Staubwolke abhob. Bei der Rückkehr rund zwei Stunden später war Qualm am Fahrwerk zu sehen. Im Flugzeug selbst gab es nach den Berichten mit 271 Passagieren und 16 Crew-Mitgliedern weder Feuer noch Rauch. Verletzt wurde niemand.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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