Bayern

Trauriges Ende: Letzter Gletscher im Allgäu ist tot

Nach dem Hitzesommer ist Tirols Schwarzmilzferner kein Gletscher mehr – und Experten warnen: Das ist erst der Anfang.

07.11.2026, 09:16 Uhr

Der Schwarzmilzferner in den Allgäuer Hochalpen auf Tiroler Seite gilt nach dem außergewöhnlich heißen Sommer nicht mehr als Gletscher. In den vergangenen warmen Monaten verlor er laut Forschern mehr als vier Meter an Eisdicke sowie etwa die Hälfte seines Volumens. Der Glaziologe Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften rechnet damit, dass das Eisfeld nach dem nächsten Sommer voraussichtlich ganz verschwunden sein wird.

Mayer und sein Team beobachten den einst letzten Gletscher der Allgäuer Hochalpen auf österreichischem Gebiet seit rund 26 Jahren. Spätestens seit 2016 wurden dabei massive Verluste bei der Eismenge dokumentiert. Seit 2022 habe sich der Schwund nochmals deutlich beschleunigt, sagte Mayer. Für die Einstufung als Gletscher sei nicht nur Größe und Dicke des Eises entscheidend, sondern auch, dass sich das Eis bewegt. Genau diese Fließbewegung fehle dem Schwarzmilzferner inzwischen.

Gletscherschwund in den Alpen

Der Fall ist nach Einschätzung der Wissenschaft kein Einzelfall. Mayer zufolge verschwinden in den Alpen jedes Jahr mehrere kleinere Gletscher. Selbst schneereiche Winter könnten den Trend kaum noch aufhalten, weil die Sommer inzwischen zu warm seien und die Eismassen stark angreifen. Der Forscher zeichnet ein düsteres Bild: Nach heutigem Stand könnten die gesamten Ostalpen zwischen 2060 und 2070 eisfrei sein.

Besonders schnell schreitet die Entwicklung offenbar in Bayern voran. Die vier noch verbliebenen deutschen Gletscher litten erneut massiv unter der Hitze. Bis 2025 verloren sie innerhalb von nur zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche. Nach Angaben des Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und von Mayer gingen dabei insgesamt rund eine Million Kubikmeter Eis verloren. Auch nach diesem Sommer erwarten Fachleute der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze weitere erhebliche Einbußen.

Schwarzmilzferner in den Alpen
Seit Jahren schmilzt der Schwarzmilzferner, der vormals letzte Gletscher auf der österreichischen Seite der Allgäuer Alpen, stark. Quelle: Astrid Lambrecht/dpa

Auch deutsche Gletscher in Gefahr

Ähnlich wie dem Schwarzmilzferner könnte es in den nächsten Jahren auch dem Blaueisgletscher und dem Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen ergehen. Ihre verbliebenen Eisreste könnten bald ebenfalls nicht mehr als Gletscher gelten. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte zudem der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze seinen Gletscherstatus verlieren.

Am längsten dürfte nach derzeitigem Stand noch der Höllentalferner im Zugspitzgebiet bestehen bleiben. Doch auch ihm geben Wissenschaftler nur noch höchstens etwa zehn Jahre. Der Südliche Schneeferner hatte seinen Status bereits im Jahr 2022 eingebüßt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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