Kochroboter kocht an Münchner Tankstelle rund um die Uhr
An einer Tankstelle im Münchner Südosten bereitet seit September ein Kochroboter warme Gerichte zu. Nach Angaben des Betreibers Allguth ist es der erste öffentlich zugängliche Kochroboter in der bayerischen Landeshauptstadt. Das System stellt Speisen wie Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder Tom Kha Gai-Suppe in rund fünf Minuten fertig und ist laut dem Familienunternehmen 24 Stunden am Tag verfügbar.
Die Anlage heißt „emma“ und stammt von dem deutschen Unternehmen Goodbytz, das auf autonome Küchensysteme spezialisiert ist. Eine Firmensprecherin verweist auf den Fachkräftemangel, steigende Betriebskosten und den Wunsch vieler Betreiber nach längeren Öffnungszeiten als wichtige Gründe für das wachsende Interesse an solchen Lösungen.
Bis zu 120 Gerichte pro Stunde
Kommerzielle Kochroboter sind meist kompakte, geschlossene Systeme. Bei „emma“ sind Kühlung, Kochfelder und auch eine Spüleinheit integriert. Hinter einer Glasfront übernehmen zwei Greifarme die einzelnen Arbeitsschritte und bewegen die Kochschalen durch den Prozess. Sind die Zutaten eingefüllt, werden sie auf einer drehbaren Herdplatte erhitzt. Laut Goodbytz können bis zu acht Gerichte gleichzeitig zubereitet werden, die maximale Leistung liegt bei bis zu 120 Essen pro Stunde. Die Reinigung der Kochgefäße übernimmt das System anschließend selbstständig.
Ganz ohne Menschen läuft der Betrieb allerdings noch nicht. Zutaten müssen weiterhin von Hand vorbereitet und nachgefüllt werden. Auch die Reinigung des gesamten Roboters bleibt Aufgabe von Personal.
Bereits an mehreren Standorten im Einsatz
Die Küchenroboter von Goodbytz werden nach Unternehmensangaben bereits an mehreren Orten in Deutschland genutzt, darunter in einem Restaurant am Leipziger Hauptbahnhof, an der Universität Kaiserslautern und im Universitätsklinikum Tübingen. Konkurrenz bekommt das 2021 gegründete Unternehmen unter anderem von der ebenfalls deutschen Circus Group mit ihrem Modell CA-1. Dieses System wird laut Unternehmensangaben seit September 2025 in der Münchner Kantine des Facebook-Mutterkonzerns Meta eingesetzt.
Für Goodbytz ist der Standort bei Allguth der erste Einsatz an einer Tankstelle. Mitgründer Hendrik Susemihl sieht darin den Einstieg in ein neues Marktsegment. Ziel sei es, autonome Küchen als skalierbare Infrastruktur aufzubauen, damit frisch zubereitete Speisen rund um die Uhr auch dort verfügbar seien, wo klassische Gastronomiekonzepte an Grenzen stoßen.
Dehoga: Bislang eher Nischenlösung
Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht in Kochrobotern eine interessante Zukunftstechnologie. Landesgeschäftsführer Thomas Geppert betont, solche Systeme könnten Beschäftigte entlasten und Arbeitsabläufe effizienter machen. Für alle Betriebe gleichermaßen seien sie aber nicht geeignet. Derzeit seien Kochroboter eher eine Nischenlösung und noch längst kein flächendeckender Standard. Vieles werde bislang nur punktuell erprobt.
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) äußert sich offen für technische Innovationen, sofern sie die Arbeit der Beschäftigten erleichtern und verbessern. Der bayerische NGG-Landesbezirksvorsitzende Mustafa Öz betont jedoch, Automatisierung dürfe nicht als Instrument zum Personalabbau genutzt werden. Beschäftigte müssten von der Einführung solcher Systeme profitieren, etwa durch körperliche Entlastung, bessere Arbeitsbedingungen und Qualifizierung.
Forschung setzt auf mehr Geschicklichkeit
An der Technischen Universität München erforscht der Robotik-Professor Berthold Bäuml, wie Maschinen mithilfe künstlicher Intelligenz lernen können, ihre Hände immer geschickter einzusetzen. Dass Kochroboter in absehbarer Zeit einen menschlichen Geschmackssinn entwickeln und Speisen selbst abschmecken können, hält er derzeit für unrealistisch. Dafür fehle es nicht nur an geeigneter Software, sondern schon an der technischen Grundlage, um die komplexe menschliche Sensorik nachzubilden.
Anders bewertet Bäuml die Feinmotorik. Er hält es für denkbar, dass künftig statt einfacher Greifarme deutlich beweglichere Roboterhände eingesetzt werden, die etwa Zwiebeln oder Knoblauch eigenständig schälen und schneiden. Nach seiner Einschätzung könnten Roboter spätestens in fünf Jahren eine Geschicklichkeit erreichen, die mindestens auf menschlichem Niveau liegt. Das würde auch Kochrobotern neue Möglichkeiten bei der Verarbeitung frischer Zutaten eröffnen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber