Bayern

Schulstart nach den Horror-Stunden von Oberbayern

Nach der Attacke am Gymnasium startet der Unterricht wieder – doch was Schüler und Lehrer jetzt erwartet, bewegt ganz Oberbayern.

09.07.2026, 04:00 Uhr

Nach der mutmaßlichen Amoktat am Welfen-Gymnasium im oberbayerischen Schongau steht weiter die Aufarbeitung im Mittelpunkt. Die Schule ist zwar wieder geöffnet, von Normalität kann aber keine Rede sein. Kriseninterventionsteams unterstützen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte dabei, die Ereignisse vom Mittwoch zu verarbeiten.

Zwei 13-Jährige schwer verletzt

Ein Teil der Schülerschaft erlebte die Tat unmittelbar mit. Nach Angaben der Polizei betrat ein ehemaliger Schüler das Gelände, feuerte mit einer Pistole einen Schuss ab und griff anschließend, nachdem die Waffe versagt hatte, mit einem Messer zwei 13-jährige Schülerinnen an. Beide wurden schwer verletzt, eine von ihnen musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Inzwischen sind beide außer Lebensgefahr.

Kultusministerin besucht Schule und lobt Helfer

Nach der Tat besuchte auch Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) das Gymnasium und sagte der gesamten Schulfamilie umfassende Unterstützung zu. Bei Gesprächen mit Schulleitung, Lehrkräften und Eltern zeigte sie sich tief erschüttert.

Stolz dankte insbesondere den beiden Lehrkräften, die den mutmaßlichen Täter überwältigten. Ebenso hob sie die Schülerinnen und Schüler hervor, die den verletzten Mädchen sofort halfen. Nach ihren Worten hätte eines der Opfer ohne dieses schnelle Eingreifen sehr wahrscheinlich nicht überlebt. Für die Ministerin sind die Helfenden deshalb „echte Helden“.

Unterstützung jetzt und im kommenden Schuljahr

Nach Angaben der Ministerin sollen Hilfen nicht nur in den Tagen nach der Tat bereitstehen, sondern auch langfristig. Das gelte nicht allein für das Gymnasium, sondern für alle Schulen auf dem Campus in Schongau.

Derzeit ist nach ihren Worten bereits ein Kriseninterventionsteam vor Ort, das vor allem psychologische Beratung anbietet. Falls nötig, soll im kommenden Schuljahr zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt werden, um die Schulfamilie weiter zu entlasten und die Folgen der Tat aufzuarbeiten.

Haftprüfung für den 16-Jährigen

Der mutmaßliche Täter soll im Laufe des Tages dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Dieser muss entscheiden, ob der 16-Jährige in Untersuchungshaft kommt oder stattdessen einstweilig untergebracht wird. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt zusammen mit der Polizei wegen versuchten Mordes.

Der Jugendliche befand sich nach bisherigen Erkenntnissen zumindest zeitweise in psychiatrischer Behandlung. Dem Vernehmen nach soll es gegen ihn bereits einmal ein Verfahren wegen Billigung von Straftaten gegeben haben. Zudem soll er schon zuvor Drohungen ausgesprochen haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich bei der Tat in einer psychischen Ausnahmesituation befand.

Bürgermeister spricht von einem „schwarzen Tag“

Schongaus Erster Bürgermeister Thomas Schleich zeigte sich bei einem Besuch an der Schule erneut tief erschüttert. Es sei ein schwarzer Tag für Schongau, sagte er. Im Rathaus wolle man für Menschen ansprechbar sein, die Unterstützung oder einen Ansprechpartner bräuchten. Dort könnten auch Kontakte vermittelt werden, etwa wenn Betreuung notwendig sei.

Schleich betonte zudem, wie stark das Geschehene die Stadt und die Schule treffe. Man sei „aufs Mark getroffen“, sagte er. Als Familienvater mit Kindern an der Schule mache er sich viele Gedanken. Zugleich zeigte er sich froh darüber, dass die Schule geöffnet habe. Das könne helfen, dass die Schülerinnen und Schüler in ihren Klassen und gemeinsam mit den Lehrkräften wieder etwas Halt im Alltag fänden. In dieser Woche sei der Unterricht aber eher zweitrangig, wichtiger sei nun der Austausch.

Bereits zuvor hatte Schleich erklärt, die Bilder dieses Tages würden die Stadt noch lange begleiten. Es sei ein Tag gewesen, der alle verändert habe. Zugleich dankte er den Einsatzkräften und versprach Schülern, Eltern und Lehrkräften, sie in dieser Lage nicht allein zu lassen.

Schule und Stadt unter dem Eindruck der Tat

Die Folgen des Vorfalls dürften die Stadt mit ihren rund 12.000 Einwohnern und besonders die Schule mit etwa 800 Jugendlichen und 80 Lehrkräften noch lange beschäftigen. Nach bisherigen Erkenntnissen unterstützten Lehrkräfte die Polizei dabei, den mutmaßlichen Täter zu überwältigen.

Auch Stolz dankte den Einsatzkräften, der Schulleitung und der gesamten Schulfamilie. Alle Beteiligten hätten in einer äußerst belastenden Lage professionell gehandelt, sagte sie.

Ermittlungen zum Motiv laufen weiter

Weiter offen ist, wie der Jugendliche an die Schusswaffe gelangte und welches Motiv hinter der Tat stehen könnte. Bei ihm wurden nach Angaben der Ermittler ein Messer als mutmaßliche Tatwaffe und eine Pistole gefunden. Unklar ist auch, ob er weitere Munition bei sich hatte und was möglicherweise hätte geschehen können, wenn er weiter hätte schießen können.

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd bestätigte, wurde auch die Wohnung des Jugendlichen bei seinen Eltern durchsucht. Dabei geht es vor allem um Hinweise auf das Motiv. Zudem läuft die Auswertung von Spuren und digitalen Daten.

Außerdem sollen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte vernommen werden. Auch die beiden verletzten Mädchen sollen befragt werden, sofern ihr Gesundheitszustand das zulässt.

Dobrindt spricht von „schrecklichen Stunden“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), in dessen Bundestagswahlkreis die Schule liegt, sprach nach einem Besuch vor Ort von „schrecklichen Stunden“ in Schongau. Man stehe schockiert vor dieser irrsinnigen Tat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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