Bayern

Schock-Vorwurf gegen Polizistin

Missbrauchsvorwurf gegen eine Polizistin erschüttert Traunstein: Im Prozess geht es um eine 14-Jährige – und noch viel mehr.

15.09.2026, 12:05 Uhr

Prozess gegen suspendierte Ex-Polizistin in Traunstein gestartet

Vor dem Landgericht Traunstein hat der Prozess gegen eine mittlerweile vom Dienst suspendierte Polizeibeamtin begonnen. Der 55-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, eine 14-Jährige vergewaltigt sowie zahlreiche kinderpornografische Dateien besessen zu haben.

Schon zum Auftakt verständigten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine Verständigung im Strafverfahren. Demnach müsste die Angeklagte im Fall einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe zwischen drei und dreieinhalb Jahren rechnen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie die Taten umfassend einräumt.

Die Befragung der Angeklagten fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Vorsitzende Richter begründete dies mit dem Schutz persönlicher und intimer Lebensumstände der Beschuldigten.

Ermittler sprechen von schweren Missbrauchsdarstellungen

Nach Angaben der Ermittler wurden bei der Frau Hunderte Dateien gefunden, die schwere Gewalt gegen Kinder zeigen sollen. Einige der betroffenen Kinder seien demnach erst etwa drei Jahre alt gewesen. Die Anklage umfasst neben Vergewaltigung auch sexuellen Missbrauch von Jugendlichen, Körperverletzung, Verbreitung pornografischer Inhalte, Besitz kinderpornografischer Inhalte sowie die Herstellung tierpornografischen Materials.

Die Transfrau ist derzeit in der Männerabteilung der JVA München untergebracht. Laut Anklage soll sie außerdem Videos produziert haben, auf denen sie zusammen mit mehreren Sexualpartnern und einem Hund zu sehen ist.

Landgericht Traunstein
Die Angeklagte ist inzwischen vom Dienst suspendiert. Quelle: Uwe Lein/dpa

Schwerster Vorwurf betrifft 14-Jährige

Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, die Tochter einer Freundin im August 2025 während eines gemeinsamen Ausflugs auf der Toilette eines Fast-Food-Restaurants vergewaltigt zu haben. Zuvor soll die Frau dem deutlich jüngeren Mädchen von ihrer Polizeidienststelle aus eine pornografische WhatsApp-Nachricht geschickt haben.

In der Anklage heißt es, das Mädchen habe geschockt reagiert und die Beschuldigte nur angestarrt. Nachdem diese die Kabine verlassen habe, habe sich die Jugendliche zitternd und mit Herzklopfen in der Toilette eingeschlossen.

Urteil möglicherweise früher als geplant

Ursprünglich hatte das Landgericht vier Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil wäre damit grundsätzlich am 8. Oktober möglich. Durch die Verständigung könnte das Verfahren jedoch schneller beendet werden, insbesondere dann, wenn dem mutmaßlichen Opfer eine Aussage im Gerichtssaal erspart bleibt.

Voraussetzung für die vereinbarte Strafspanne ist neben einem Geständnis auch ein Täter-Opfer-Ausgleich. In diesem Zusammenhang soll die Jugendliche ein Motorrad sowie 5.000 Euro erhalten. Zudem muss die Angeklagte eine Geldstrafe aus einem früheren, offenbar einschlägigen Verfahren vor dem Amtsgericht Rosenheim vollständig begleichen.

Dass die 55-Jährige nach einem Urteil aus dem Juli 2025 so rasch erneut straffällig geworden sein soll, wertet die Staatsanwaltschaft strafverschärfend.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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