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Sandalen statt Sneaker: Der Dassler-Streit als Drama

Aus Bruderliebe wird ein gnadenloser Kampf: In Nürnberg wird der Adidas-Puma-Mythos zur griechischen Tragödie.

20.10.2026, 06:35 Uhr

Bruderzwist als antike Tragödie: Nürnberger Theaterstück über Puma und Adidas

Die jahrzehntelange Fehde der Dassler-Brüder, aus der mit Puma und Adidas zwei weltbekannte Sportmarken hervorgingen, kommt in Nürnberg in neuer Form auf die Bühne. Autor und Regisseur Philipp Löhle macht aus der bekannten Familiengeschichte eine griechisch inspirierte Tragödie voller Anspielungen – jedoch ohne die realen Namen direkt zu verwenden. Das Stück „Die Erfindung der Schuhe“ feiert am Donnerstag am Staatstheater Nürnberg Premiere.

Löhle sagte, ihm sei schnell klar gewesen, dass die Handlung in eine andere Epoche verlegt werden müsse. Andernfalls wäre das Werk zu nah an einer dokumentarischen Nacherzählung gewesen, bei der vor allem die Frage im Raum gestanden hätte, ob die Figur von Adi Dassler korrekt getroffen sei. Gerade dieser biografische Aspekt sei für ihn aber weniger spannend, weil die Eckpunkte der Geschichte ohnehin weithin bekannt seien.

Ein Familiendrama mit mythischer Wucht

Die Brüder Adolf „Adi“ und Rudolf Dassler hatten 1924 zunächst gemeinsam eine Schuhfabrik gegründet. Später zerbrach ihre Zusammenarbeit jedoch im Streit. Rudolf rief daraufhin Puma ins Leben, Adi gründete Adidas. Die Konkurrenz zwischen beiden soll sie ihr ganzes Leben begleitet haben – und wirkt der Überlieferung nach bis heute in Herzogenaurach nach.

Schauspieldirektorin Lene Grösch, die Löhle mit dem Text beauftragt hatte, sieht in der Geschichte einen Stoff von nahezu archetypischer Kraft. Die berühmte Familiensaga und der erbitterte Konflikt der Brüder erinnerten an einen modernen Kain-und-Abel-Mythos, der sich geradezu für die Bühne anbiete. Weil viele Menschen die Grundgeschichte bereits kennen, eröffne das dem Theater die Möglichkeit, freier und spielerischer mit dem Stoff umzugehen. In Nürnberg geschieht das, indem die Handlung in die Welt des antiken Griechenlands versetzt wird.

Regisseur Philipp Löhle
Der Regisseur hat die legendäre Familiengeschichte der Dassler-Brüder in ein Theaterstück gepackt. Quelle: Konrad Fersterer/Staatstheater Nürnberg/dpa

Adilius und Rudolfus in Tuniken

Im Zentrum stehen die Brüder Adilius und Rudolfus, die zunächst barfuß und in Tuniken auftreten. Aus den Firmensitzen der späteren Weltkonzerne werden Tempel, die Fußball-Weltmeisterschaft von 1954 wird ins Kolosseum verlegt, und die Olympischen Spiele von 1936 finden auf dem Olymp statt.

Tatsächlich gewann die deutsche Nationalmannschaft 1954 in der Schweiz den WM-Titel. Die Berliner Olympischen Spiele von 1936 waren hingegen von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke instrumentalisiert worden.

Sandalen statt Sneaker

Passend zum antiken Setting werden keine Turnschuhe erfunden, sondern Sandalen. Daher trägt das Stück ganz bewusst den Titel „Die Erfindung der Schuhe“. Erzählt wird die Handlung von einem griechischen Chor, aus dem einzelne Darstellerinnen und Darsteller hervortreten, um verschiedene Szenen zu spielen.

Löhle lässt den Streit der beiden Brüder sogar über den Tod hinaus andauern: Selbst in der Unterwelt der griechischen Mythologie setzen sie ihre Auseinandersetzung fort. Dort, so der Regisseur, gehe der Zwist weiter – und im übertragenen Sinn dauere er bis heute an.

Mit Witz, Fantasie und einem augenzwinkernden Ton greift das Stück die berühmte Rivalität auf und stellt zugleich eine grundsätzliche Frage: Konkurrenz kann zwar antreiben und wirtschaftlich nützlich sein – doch bleibt offen, ob ein solcher Preis am Ende wirklich gerechtfertigt ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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