Bayern

Oktoberfest-Gedenken: Diese Helden standen im Schatten

46 Jahre nach dem Oktoberfest-Attentat rückt das Gedenken nicht nur die Opfer ins Licht – sondern auch die stillen Helden von damals.

26.09.2026, 11:23 Uhr

Fast 44 Jahre nach dem Oktoberfest-Attentat sind die Folgen für viele Betroffene noch immer spürbar. Am Abend des 26. September 1980 detonierte am Haupteingang der Wiesn eine Bombe, gelegt von einem Rechtsextremisten. Zwölf Menschen wurden getötet, etwa 200 weitere verletzt. Am Morgen erinnerten Vertreter der Stadt, Angehörige und die DGB-Jugend an die Opfer.

Auch die Helfer tragen schwere Folgen

Im Mittelpunkt des diesjährigen Gedenkens standen zudem jene, die damals als Erste geholfen hatten. Einer von ihnen ist Ramin Assisi.

Er schilderte, wie er einem Mann mit zerfetztem Bein mit einem Gürtel das Blut stillte. Bei einem anderen Schwerverletzten mit massiven Gesichtsverletzungen habe er kaum noch etwas tun können. Der Schrei von dessen Frau nach dem langsamen Sterben ihres Mannes habe sich ihm unauslöschlich eingeprägt.

Assisi erzählte, dass er das Erlebte lange verdrängt habe. Er habe weiter funktioniert, gearbeitet und geglaubt, das Geschehen hinter sich gelassen zu haben. Doch 35 Jahre später, als neue Ermittlungen zum Anschlag aufgenommen wurden und Fotos davon erneut in Zeitungen erschienen, erlitt er einen Zusammenbruch. Die Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung. Er musste in eine Klinik und konnte nicht mehr arbeiten. Damit wolle er deutlich machen, dass seelische Verletzungen ebenso wie körperliche nur mit ausreichender Unterstützung heilen können.

Zugleich erinnerte Assisi an die Getöteten und an ihre Familien, die seither mit dem Verlust leben müssen. Er betonte, das Geschehen sei weder Unglück noch Zufall gewesen, sondern Folge einer rechtsextremen Überzeugung. Der Schatten des Nationalsozialismus habe damals bis auf die Theresienwiese gereicht — und reiche bis in die Gegenwart.

Münchner Oktoberfest - Gedenken Anschlag
Die Menschen verharrten still im Gedenken an die Toten und Verletzten – und die Ersthelfer, die ebenfalls mit den Folgen leben mussten. Quelle: Felix Hörhager/dpa

Erinnerung als Auftrag für heute

Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs erklärte, der Jahrestag verpflichte die Stadt, den Betroffenen mit Solidarität und Empathie beizustehen. Ebenso wichtig sei es, jeder Form von Menschenfeindlichkeit und entsprechender Ideologie entschieden entgegenzutreten — heute mehr denn je.

Weil der Jahrestag in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, begann die Gedenkveranstaltung am Mahnmal früher als üblich, noch vor der Öffnung des Festgeländes und vor dem großen Besucherandrang. Das stieß bei Betroffenen auf Kritik. Der Überlebende Robert Höckmayr sagte, die Erinnerung werde dadurch von den Wiesn-Gästen ferngehalten, obwohl sie zum Oktoberfest dazugehöre.

Oberbürgermeister Dominik Krause von den Grünen nahm wegen eines Termins zur Olympia-Bewerbung nicht an der Gedenkfeier teil. Beim Einzug der Festwirte und Brauereigespanne zum Auftakt der Wiesn hatte er jedoch ein kurzes Innehalten am Mahnmal veranlasst. Erstmals stoppte der traditionelle Zug dafür. Krause begründete dies damit, dass auch der Anschlag Teil der Geschichte des Oktoberfests sei.

Rechtsextremes Motiv lange verkannt

Über viele Jahre wurde der rechtsextreme Hintergrund der Tat verdrängt. Stattdessen war oft von einem Einzeltäter mit persönlichen Problemen die Rede. Erst nach der Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft — angestoßen vor allem durch die Initiative eines Anwalts und eines BR-Journalisten — wurde der Anschlag 2020 als rechtsextremistisch motivierte Tat neu eingeordnet.

Zum 40. Jahrestag nahm mit Frank-Walter Steinmeier erstmals ein Bundespräsident an der inzwischen deutlich größeren Gedenkfeier teil. Damals machte er klar: Wegsehen darf keine Option mehr sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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