Bayern

Tödliche Waffenkontrolle: Darum stocken die Ermittlungen

Tödliche Waffenkontrolle in der Oberpfalz: Zwei Mitarbeiter sterben – und die Ermittler stehen vor einem rätselhaften Fall.

14.10.2026, 12:08 Uhr

Ermittlungen nach tödlichen Schüssen auf Behördenmitarbeiter bleiben komplex

Nach dem Tod von zwei Beschäftigten einer Waffenbehörde bei einer Kontrolle in der Oberpfalz sind viele Fragen weiter offen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte im Innenausschuss des Landtags in München, dass sowohl der genaue Ablauf der Tat als auch das Motiv des mutmaßlichen Schützen bislang nicht abschließend geklärt seien. Eine endgültige Bewertung des Falls sei derzeit noch nicht möglich.

Der 60-jährige Verdächtige konnte laut Herrmann bisher nicht befragt werden, da er bei seiner Festnahme schwer verletzt wurde und weiterhin im Krankenhaus behandelt wird. Auch die Umstände, die zu der Kontrolle durch das Landratsamt Neumarkt geführt hatten, ließen sich bislang nur schwer rekonstruieren.

Warum die Kontrolle stattfand, ist noch offen

Bei den beiden Getöteten handelt es sich um eine 54-jährige Mitarbeiterin und ihren 45-jährigen Kollegen. Beide waren seit längerer Zeit für die Waffenkontrollen zuständig. Gerade deshalb sei es nun besonders aufwendig, die Vorgeschichte des Einsatzes aufzuarbeiten, sagte Herrmann. Noch unklar ist, ob es sich um eine gewöhnliche Routinekontrolle handelte oder ob es einen konkreten Anlass für den Termin gab.

Nach bisherigen Erkenntnissen wollten die beiden Kontrolleure am vergangenen Donnerstag im Berngauer Wohnhaus des 60-jährigen Deutschen dessen Waffen überprüfen. Dabei soll der Mann mehrfach auf beide geschossen haben. Beide Behördenmitarbeiter starben noch am Tatort.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erläuterte im Landtag die komplizierten Ermittlungen. (Archivbild) Quelle: Peter Kneffel/dpa

Anschließend verschanzte sich der Verdächtige stundenlang in seinem Haus. In der Nacht auf Freitag griff ein Spezialeinsatzkommando ein und nahm ihn fest. Nach Angaben des Innenministers wurden dabei auch Sprengmittel sowie eine Schusswaffe eingesetzt. Der Mann wird weiterhin im Krankenhaus bewacht.

Verdächtiger besaß Waffen legal als Sportschütze

Herrmann zufolge ist der Beschuldigte Sportschütze und durfte deshalb als Mitglied eines Schützenvereins legal Waffen besitzen. Frühere Informationen, wonach er zusätzlich Jäger sei, träfen nicht zu.

Auf den Mann waren insgesamt zehn Schusswaffen registriert. Eine davon soll inzwischen an einen Händler abgegeben worden sein. Die übrigen neun Waffen wurden bei der Durchsuchung sichergestellt. Hinweise auf weitere illegale Waffen in der Wohnung gebe es bislang nicht.

Bereits 2024 scheiterte ein Kontrollversuch

Die letzte erfolgreiche Kontrolle bei dem Mann fand den Angaben zufolge 2023 statt. Im Jahr darauf habe es einen weiteren Versuch gegeben, der jedoch ohne Ergebnis geblieben sei, weil niemand angetroffen wurde oder die Tür verschlossen blieb. Schon damals seien dieselben beiden Mitarbeiter vor Ort gewesen, die nun getötet wurden. Deshalb könne die Kriminalpolizei die Vorgeschichte aktuell nur anhand der Akten nachvollziehen.

Nach Angaben des Ministers gibt es in Bayern jedes Jahr rund 10.000 Kontrollen bei registrierten Waffenbesitzern. Dabei werde überprüft, ob die Waffen ordnungsgemäß aufbewahrt werden. Wenn im Vorfeld mit Schwierigkeiten gerechnet werde, werde die Polizei hinzugezogen. Herrmann kündigte an, gemeinsam mit den Kreisverwaltungsbehörden zu prüfen, wie mit vergleichbaren Lagen künftig umzugehen ist.

Der stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses, Florian Siekmann (Grüne), wies in der Debatte darauf hin, dass einige Landratsämter bereits schusssichere Westen für ihre Beschäftigten bereithielten. Zudem könnten Polizeidienststellen bei Bedarf womöglich mit entsprechender Schutzausrüstung aushelfen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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