Bayern

NS-Raubkunst: Dieses Gemälde geht jetzt an Erben in den USA

1938 floh sie vor den Nazis in die USA – doch ihr Container verschwand. Fast 90 Jahre später soll Bayern das Unrecht sühnen.

22.09.2026, 19:19 Uhr

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben ein während der NS-Zeit entzogenes Werk des Malers Albert Lang an die heute in den USA lebenden Nachkommen von Sofie Heilbronner zurückgegeben. Die Übergabe erfolgte bei einer Zeremonie in der deutschen Botschaft in Washington. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) bezeichnete jeden erfolgreich aufgeklärten Fall als wichtigen Beitrag zu historischer Gerechtigkeit.

Sofie Heilbronner, 1875 geboren, war jüdischer Herkunft und die Witwe des vermögenden Münchner Bankiers Hugo Heilbronner. Zum Familienbesitz gehörten mehrere Immobilien in München und Berlin. 1938 floh sie in die Vereinigten Staaten. Ihr Umzugsgut wurde jedoch beschlagnahmt; der Inhalt des Containers kam 1943 in Berlin zur Versteigerung.

Das Bild „Die Musik (Arkadische Szene)” gelangte nach dem Krieg an das Bayerische Landesamt für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung. Diese heute nicht mehr bestehende Behörde galt trotz ihres Namens in der Nachkriegszeit als eine Stelle, die Überlebenden und Angehörigen die Rückgabe geraubten oder entzogenen Eigentums oft erschwerte.

Herkunft eindeutig belegt

Nach Angaben der Staatsgemäldesammlungen ließ sich die rechtmäßige Zugehörigkeit des Gemäldes zur Familie Heilbronner anhand erhaltener Unterlagen aus zwei Kunstgalerien eindeutig nachweisen. Urenkel Paul Laporte erklärte laut Mitteilung, das Werk sei eines der wenigen noch vorhandenen Zeugnisse des früheren Familienlebens in Deutschland vor Verfolgung und Vertreibung.

Die Heilbronners galten als kunstinteressiert. Ihr 1904 geborener Sohn Paul war selbst Maler und Kunsthistoriker. Er emigrierte zunächst nach Italien und später ebenfalls in die USA, wo er den Namen Laporte annahm.

Weitere Provenienzforschung angekündigt

Albert Lang, geboren 1847 in Karlsruhe und gestorben 1933, lebte über viele Jahre in München. Er war unter anderem mit Arnold Böcklin befreundet. In den vergangenen Jahren hatte die Opposition im bayerischen Landtag die Staatsregierung wiederholt wegen langwieriger Prüfverfahren bei der Rückgabe von NS-Raubkunst kritisiert.

Der Leiter der Staatsgemäldesammlungen, Anton Biebl, erklärte, man werde die Provenienzforschung in den eigenen Beständen konsequent fortsetzen und sich weiterhin für die Rückgabe unrechtmäßig entzogener Kunstwerke einsetzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen