Kurz vor der Entscheidung über den deutschen Kandidaten für eine mögliche Olympia-Bewerbung sehen die Prüfer des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) München vorn. Nach Informationen der dpa bewertete die Evaluierungskommission das Konzept der bayerischen Landeshauptstadt für Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 etwas besser als die Bewerbung aus Köln und der Rhein-Ruhr-Region.
DOSB-Einschätzung hat großes Gewicht, ist aber nicht bindend
Berlin schnitt demnach im Gesamtvergleich deutlich schwächer ab. Zuerst hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber berichtet. Das Votum des DOSB gilt als wichtige Orientierung für die außerordentliche Mitgliederversammlung am Samstag in Baden-Baden, ist für die anschließende Abstimmung jedoch nicht verpflichtend.
In der Evaluierungskommission waren sechs Personen stimmberechtigt: vier Vertreter des Sports, darunter DOSB-Präsident Thomas Weikert und DOSB-Vorstandschef Otto Fricke, sowie zwei politische Vertreterinnen mit Babette Kibele aus dem Sport-Staatsministerium und Bundestagsvizepräsidentin Josephine Ortleb (SPD).
Die Bewerberstädte und -regionen hatten bis Anfang Juni Zeit, ihre endgültigen Konzepte vorzulegen. Anschließend wurden diese anhand eines gemeinsam mit dem Bund entwickelten Kriterienkatalogs geprüft. Die Auswertung erfolgte durch den DOSB gemeinsam mit den olympischen Spitzenverbänden.
Kriterien reichten von internationaler Wirkung bis zur Infrastruktur
Berücksichtigt wurden dabei verschiedene Punkte: etwa die Aussichten im internationalen Wettbewerb, der Rückhalt in Bevölkerung und Region sowie sportliche und organisatorische Faktoren. Dazu zählten unter anderem Reisewege, verfügbare Hotelkapazitäten und die Unterbringung der Athletinnen und Athleten.
München kam auf 87 von 100 möglichen Punkten. Köln-Rhein-Ruhr erhielt 85 Zähler. Beide Konzepte wurden damit als „sehr gut“ eingestuft. Berlin erreichte 74,6 Punkte und erhielt die Note „gut“.
Berlin nur noch Außenseiter
Schon vor der abschließenden Sitzung der Kommission galt Berlin als klarer Außenseiter. Anders als München und Nordrhein-Westfalen verzichtete die Hauptstadt auf einen Bürgerentscheid. Zwar hatte sich das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für eine Bewerbung ausgesprochen, dies jedoch noch unter der inzwischen abgewählten schwarz-roten Koalition.
Weil sowohl die Linke als stärkste Kraft in Berlin als auch die Grünen eine Olympia-Bewerbung ablehnen, gilt die Hauptstadt aus Sicht vieler als riskante Option. Es besteht die Gefahr, dass eine deutsche Kandidatur noch vor einer möglichen Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) scheitern könnte. Bereits Hamburgs Olympia-Pläne waren im Mai bei einem Bürgerentscheid gescheitert.
Abstimmung am Samstag
Bei der Entscheidung über den nationalen Kandidaten sind am Samstag die 42 olympischen Spitzenverbände stimmberechtigt. Hinzu kommen acht persönliche Mitglieder – darunter Fußballprofi Leon Goretzka und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste – sowie die Mitglieder des DOSB-Präsidiums, die jeweils ebenfalls eine Stimme haben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber