Bayern

Leichenfund im Allgäu – Was steckt dahinter?

Vermisster Teenager, Leichenfund, Polizeischüsse: In Memmingen spitzt sich das Drama zu – gibt es eine düstere Verbindung?

05.05.2026, 08:22 Uhr

Der in Memmingen im Allgäu vermisste 14-Jährige ist nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft mutmaßlich Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Nachdem die Leiche des Jugendlichen gefunden worden war, starb der zunächst geflohene Tatverdächtige später nach einem Schusswaffeneinsatz der Polizei.

Die Obduktion der Leiche des 14-Jährigen bestätigte laut den Ermittlern eine Gewalteinwirkung. Zu den Hintergründen der mutmaßlichen Tat machten Polizei und Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst keine weiteren Angaben.

Verdächtiger war geduldet

Bei dem getöteten Tatverdächtigen handelt es sich nach neuen Angaben um einen abgelehnten Asylbewerber, der wegen einer ungeklärten Identität geduldet war. Das teilte ein Sprecher der Regierung von Schwaben mit.

Der 37-Jährige wurde nach bisherigen Erkenntnissen im von Israel besetzten Westjordanland geboren. Seine Staatsangehörigkeit ist laut Staatsanwaltschaft weiterhin unklar.

Nach Angaben der Ermittler war der Mann der Justiz bereits bekannt. Er wurde demnach in Deutschland zweimal rechtskräftig zu Geldstrafen verurteilt: 2021 wegen Sachbeschädigung und in diesem Jahr wegen unerlaubten Aufenthalts ohne Pass.

Verdächtiger soll Polizisten mit Messer angegriffen haben

Die Polizei hatte den seit Samstagnacht vermissten Jugendlichen tot in einem leerstehenden Gebäude in der Nähe des Bahnhofs entdeckt. Dort soll sich auch der 37-Jährige in einem Schrank versteckt haben.

Als Beamte auf den Mann stießen, habe er sie mit einem Messer angegriffen und sei anschließend geflüchtet. Am Abend erhielt die Polizei dann einen Hinweis, dass sich der Verdächtige möglicherweise in der Nähe des Hallenbads aufhält. Dort trafen zivil gekleidete Beamte den 37-Jährigen auf einer Treppe vor dem Bad sitzend an.

Als der Mann die Personen bemerkte, soll er erneut versucht haben zu fliehen. Während der Verfolgung hätten sich die Beamten als Polizisten zu erkennen gegeben. Daraufhin habe sich der Verdächtige abrupt umgedreht und sei mit einem Messer auf die Einsatzkräfte zugegangen. Trotz lauter Aufforderungen, die Waffe wegzulegen, habe er seinen Weg auf die Beamten fortgesetzt.

37-Jähriger von mehreren Schüssen getroffen

Wegen des geringen Abstands und der daraus entstandenen Gefahr schossen die Polizisten auf den 37-Jährigen. Er wurde mehrfach getroffen. Dennoch habe der Mann das Messer zunächst nicht losgelassen. Erst ein Polizist mit Schutzschild habe ihn entwaffnen können.

Anschließend wurde der Verdächtige medizinisch versorgt, starb jedoch später in einem Krankenhaus. Polizisten und Zeugen blieben nach bisherigen Erkenntnissen unverletzt.

Das bayerische Landeskriminalamt ermittelt nun gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft, ob der Schusswaffeneinsatz rechtmäßig war. Zudem soll die Leiche des 37-Jährigen obduziert werden.

Memmingens Oberbürgermeister zeigt sich bestürzt

Memmingens Oberbürgermeister Jan Rothenbacher reagierte erschüttert auf die Ereignisse. „Es ist unfassbar, was in den vergangenen Tagen passiert ist“, sagte der SPD-Politiker. Seine Gedanken seien bei der Familie des Jugendlichen, der er in dieser schweren Zeit viel Kraft wünsche. Die Stadt stehe mit der Familie in Kontakt.

Die Betroffenheit und Anteilnahme in Memmingen seien sehr groß, erklärte Rothenbacher weiter. Eltern und Familien, die verunsichert seien, Fragen hätten oder einen Gesprächspartner bräuchten, könnten sich kurzfristig an die Erziehungsberatungsstelle der Stadt wenden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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