Bayern

Krebspest, Klima-Chaos: Stirbt der Steinkrebs aus?

Bayerns Steinkrebs verschwindet immer mehr – doch ein Plan soll ihn retten. Kann das den seltenen Bachbewohner noch bewahren?

09.05.2026, 04:02 Uhr

Seltene Steinkrebse in Bayern stark unter Druck

Der Steinkrebs ist in Bayern zunehmend bedroht. Nach Angaben von Jeremy Hübner, Flusskrebsmanager am Landesamt für Umwelt (LfU) in Wielenbach, haben Erhebungen gezeigt, dass die Bestände in den vergangenen 20 Jahren nochmals um etwa die Hälfte geschrumpft sind. Hauptursachen sind der Verlust geeigneter Lebensräume, eingeschleppte Arten und die Krebspest. Ein spezielles Artenhilfsprogramm soll nun gegensteuern. Bayern kommt dabei eine besondere Rolle zu, weil das Bundesland eine wichtige Heimat dieses seltenen Flusskrebses ist.

Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) erreicht laut LfU eine Länge von rund neun Zentimetern. Neben dem Edelkrebs ist er eine von zwei heimischen Flusskrebsarten in Bayern, allerdings die kleinere. In Deutschland lebt die Art nur in Bayern und Baden-Württemberg. Besonders wohl fühlt sie sich in kühlen Bachoberläufen mit hoher Wasserqualität und vielen Versteckmöglichkeiten, etwa zwischen Steinen, Wurzeln oder Totholz. Vorkommen gibt es in mehreren Regionen Bayerns, vor allem aber in Oberbayern, Niederbayern und Schwaben.

Mehrere Gefahren zugleich

Der nachtaktive Steinkrebs leidet unter verschiedenen Belastungen. Durch den Klimawandel steigen die Wassertemperaturen, zugleich führen viele Bäche weniger Wasser. Dadurch reagieren die Tiere empfindlicher auf Schadstoffe und Nährstoffeinträge, etwa aus der Landwirtschaft. Als größtes Problem gilt jedoch die Ausbreitung invasiver Krebsarten wie des Signalkrebses. Diese übertragen die Krebspest, die für heimische Arten tödlich ist und innerhalb kurzer Zeit ganze Bestände vernichten kann.

Steinkrebs
Der Steinkrebs ist recht anspruchsvoll, was seinen Lebensraum betrifft. Das Wasser sollte auch im Sommer kalt und sehr sauber sein. (Archivbild) Quelle: Pia Bayer/dpa

Nordamerikanische Flusskrebse wurden bereits im 19. Jahrhundert nach Europa gebracht. Mit ihnen verbreitete sich auch die Krebspest. Die eingeschleppten Arten selbst sind gegen den Erreger weitgehend resistent. Teilweise wurden sie sogar bewusst angesiedelt, um wirtschaftliche Verluste auszugleichen, nachdem heimische Krebsbestände massiv eingebrochen waren.

Besonders problematisch ist laut Hübner, dass der Signalkrebs deutlich anpassungsfähiger ist als heimische Arten. Er stellt geringere Ansprüche an seinen Lebensraum, ist durchsetzungsstärker und vermehrt sich schneller. So kann er sich auch in Gebiete ausbreiten, die eigentlich typische Rückzugsräume des Steinkrebses sind, und dort die Krankheitserreger einschleppen. Deshalb soll verhindert werden, dass invasive Arten in den Bächen weiter flussaufwärts wandern.

Barrieren gegen invasive Arten

Um das zu erreichen, nutzt das Landesamt sogenannte Krebssperren an bestehenden Bauwerken wie Wehren. Nach Angaben Hübners gibt es davon bereits acht. Im Landkreis Günzburg wurden im März zwei weitere eingebaut. Dabei handelt es sich um glatte Metallflächen, die Signalkrebse nicht überwinden können. Bis September kommenden Jahres sollen in Bayern möglichst rund 50 solcher Sperren installiert werden.

Nachzucht als weiterer Schutzbaustein

Zusätzlich setzt das LfU auf die Nachzucht des Steinkrebses in der Teichanlage in Wielenbach. Erste Jungtiere wurden bereits in einem oberbayerischen Bach ausgesetzt. Die Zucht gilt allerdings als schwierig. Über den Steinkrebs ist vergleichsweise wenig bekannt, weil er anders als der Edelkrebs wirtschaftlich kaum eine Rolle spielte und nie in größerem Umfang genutzt wurde. Laut Hübner arbeiten die Fachleute deshalb laufend daran, die Vermehrung weiter zu verbessern. Im Herbst sollen erneut junge Tiere in einem geeigneten Gewässer angesiedelt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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