Bayern

Gedächtnislücken, Notwehr? Neue Wende nach tödlichen Stichen

Tödliche Nacht vor Würzburger Club: Ein Mann stirbt, der Angeklagte spricht von Notwehr – was geschah wirklich?

01.10.2026, 15:10 Uhr

Mehr als drei Jahre nach den tödlichen Messerstichen vor einer Diskothek in Würzburg wird der Fall erneut vor Gericht verhandelt. Der heute 25 Jahre alte Angeklagte muss sich nach einem zunächst ergangenen Freispruch noch einmal vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aus dem Sommer 2024 aufgehoben und eine neue Verhandlung vor einer anderen Kammer angeordnet.

Der Prozess dürfte kompliziert werden. Die Tat liegt bereits längere Zeit zurück, sodass unklar ist, wie präzise sich Zeugen noch an die Geschehnisse in und vor dem Club erinnern können. Im Mittelpunkt steht erneut die Frage, ob der Angeklagte aus Notwehr handelte. Im ersten Verfahren hatte der Mann eingeräumt, auf einen 28-jährigen Besucher eingestochen zu haben. Bei dem Vorfall im September 2023 wurden außerdem zwei weitere Männer verletzt.

Das Landgericht Würzburg war 2024 zu dem Schluss gekommen, dass sich eine Notwehrlage nicht sicher ausschließen lasse, und hatte den spanischen Angeklagten deshalb freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Verurteilung wegen Totschlags und eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Nach dem Freispruch legte sie Revision ein.

Angeklagter spricht von Erinnerungslücken

Zum Auftakt des neuen Prozesses ließen die drei Verteidiger eine Erklärung ihres Mandanten verlesen. Darin hieß es, er bedaure die Tat zutiefst und wünsche, er könne das Geschehen rückgängig machen. Zugleich entschuldigte er sich bei den Verletzten und den Angehörigen des Getöteten.

Nach Darstellung der Verteidigung kann sich der 25-Jährige nur bruchstückhaft an den Abend erinnern, auch wegen erheblichen Alkoholkonsums. Er habe sich vor dem Club bedrängt gefühlt, sei auf die Straße gestoßen und beleidigt worden und habe mehreren Gegnern gegenübergestanden.

Laut Anklage soll der Mann zuvor vor der Diskothek mehrere Frauen verbal belästigt haben. Als ein anderer Gast eingeschritten sei, habe der Beschuldigte aggressiv reagiert. Später soll ein Türsteher ihm mehrfach ins Gesicht geschlagen haben.

Nach Erkenntnissen der Ermittler wollte das spätere Opfer die Situation zunächst beruhigen, geriet dann aber selbst in eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Angeklagten. Dabei soll der 25-Jährige mit einem Messer auf den 28-Jährigen eingestochen haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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